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  1. Tag, Anreise (Sa. 28.07)
    Janna und ich sind von Oldenburg in Holstein über Hamburg, Hannover und Duisburg mit dem Zug nach Düsseldorf zum Flughafen gefahren. Dort, beim Einchecken gingen dann die Schwierigkeiten los. Wir hatten nur ein One-Way-Ticket gebucht und beinahe hätte niemand beim Check-in etwas gesagt, aber eine der Mitarbeiterinnen von LTU sagte plötzlich, dass wir mit einem One-Way-Ticket nicht nach Kenia einreisen könnten. Wir (Petra, Helmut, Janna und ich) wurden also zum Ticketschalter geschickt, um einen Rückflug zu buchen. Zum Glück war das überhaupt kein Problem, und so sind wir alle mit Rückflügen ausgestattet worden. Diese sind umbuchbar, so dass wir alle an dem Datum zurückfliegen können, an dem wir möchten. Schlussendlich kamen wir dann, an dem für den Flug LT 660 vorgesehene Gate C46, an. Wir mussten noch eine halbe Stunde warten und dann ging es endlich los in den Flieger und somit auf den Weg in Richtung Afrika!

    2. Tag (So. 29.07)
    Die Stunden im Flieger waren vor allem durch eines geprägt: Enge.
    Doch auch diese Zeit ging vorbei und dann stiegen wir aus dem Flugzeug in Mombasa aus. Was erwartete uns dort? Natürlich wieder erst einmal Schlange stehen. Das war dem Umstand zu verdanken, dass gleichzeitig mit unserer Maschine noch drei weitere Ferienflieger am Mombasa International Airport landeten. Wir standen also anderthalb Stunden Schlange, um dann endlich unser Einreise-Visum zu bekommen. Wir holten unsere Gepäckstücke ab und am Ausgang wartete schon Mama Grace mit Celina (eines der Mädchen aus dem Heim).
    Am Parkplatz wartete schon ein Fahrer mit einem Nissan Kleinbus. Nachdem unser Gepäck sicher in dem Bus verstaut war, ging es durch Mombasa nach Kilifi. Zum ersten Mal bekam ich hier nun eine ganze Stadt voller schwarzer Menschen zu sehen. Da ich dies noch überhaupt nicht kannte, war es für mich ein unglaubliches Erlebnis. Als wir weiter in Richtung Randgebiete von Mombasa fuhren, habe ich mit eigenen Augen sehen können, wie arm die Menschen hier alle sind. Das ist, wenn man die Zustände nur aus Berichten und den Medien kennt, kaum vorstellbar. Eine Beklemmung beschlich mich, die ich noch nie vorher gekannt hatte. Herausgerissen aus diesen eher trüben Gedanken wurde ich erst wieder, als wir aus Mombasa heraus fuhren und auf Strassen kamen, die ich nicht mehr Strasse nennen würde. Ein Schlagloch liegt auf dieser Strasse am nächste, und der Fahrer muss die ganze im Zickzack fahren, um die größten Schlaglöcher zu vermeiden.
    Nach einer Stunde Fahrt, gefühlte acht Stunden, kamen wir endlich in Kilifi in der Bofa Road an. Uns erwarteten freudige Kindergesichter, und natürlich bekamen wir gleich einige Lieder als Begrüßungsgeschenk gesungen.
    Die Mamas servierten uns eine Wunderbaren kenianischen Chai (=Tee) und einige belegte Brote. Danach gingen Janna, Petra, Helmut und ich zu unserem Haus, um unsere Sachen aus zu packen und die Kleiderspenden für die Kinder beiseite zu legen. Hier dämmerte es bei Petra so langsam, sie hatte den Koffer mit ihrer gesamten eigenen Kleidung auf dem Laufband am Flughafen in Mombasa vergessen. Die Freude war natürlich riesengroß!
    Nun ging es zurück zum Heim, wo wir Spaghetti zum Mittag serviert bekamen. So langsam begann ich nun zu realisieren, dass ich wirklich in Afrika war. Die Müdigkeit nach der anstrengenden Reise war aber so groß, dass ich diesen Fakt noch nicht ganz aufnehmen konnte.
    Eine große Freude bereiteten Helmut und Petra den Kindern und auch den Mitarbeitern, indem sie anfingen die aus Deutschland mitgebrachten Sachen verteilten. Jetzt wurde getauscht; nach dem Prinzip: alt gegen neu. Nur wer ein altes Kleidungsstück brachte, bekam dafür eine neues geschenkt. Die Trennung von den alten Klamotten war zwar schwer, aber beim Erhalten der neuen Dinge waren die alten Sachen schon wieder vergessen.
    Am Nachmittag gingen Helmut und ich mit den Jungs zum Strand in der Nähe des Baobab Hotels. Janna und Petra gingen mit den Mädchen nur quer über die Strasse zur Chambai Lodge, um sich das Meer an zu schauen.
    Die Jungs und ich gingen zum Baden in den indischen Ozean, wo zu der Zeit einige höhere Wellen waren. So konnte ich einige der Jungs schon ein bisschen besser kennen lernen, und es kam ein Glücksgefühl in mir auf. Ich würde das ganze nächste Jahr hier in Kenia, am indischen Ozean mit vielen tollen Menschen verbringen. Am Abend gab es dann zum ersten Mal richtiges kenianisches Essen: Mandasi mit Bohnen.
    Um Petras Gepäck wieder zu bekommen, für mich ein Visum im Migration Office zu beantragen, und noch einige andere Dinge in der Innenstadt und im Nakumatt zu besorgen, bestellten wir uns gleich wieder einen Bus, um am nächsten Morgen nach Mombasa zu fahren.

    3. Tag (Mo. 30.07)
    Pünktlich um neun Uhr stand unser Bus dann auch vor der Tür. Wir fuhren die wunderbare Strasse entlang um nach Mombasa zu kommen. Die Stadt war Heute viel belebter als am gestrigen Sonntag, da es natürlich Geschäftstag war. Wir fuhren zum Flughafen wo wir Petras Gepäck auch problemlos bekommen konnten. Eine erste Erleichterung machte sich breit. Danach ging es in die Innenstadt in ein recht großes, unsortiertes Einkaufszentrum um vor allem Stoffe (Kikoys und Kangas) zu kaufen. Für mich war das Einkaufszentrum sehr ungewohnt, es hatte überhaupt nicht diese Ordentlichkeit und Sauberkeit die ich von Deutschland her gewohnt bin. Ich fand es aber toll, wie die Kenianer alles einfach so locker angehen, Pole Pole eben. Zum Essen gingen wir in ein Restaurant in der Nähe der großen Elefantenzähne, dem Wahrzeichen von Mombasa. Als ordentlicher Tourist muss man hier natürlich auch Fotos machen, was ich auch nicht verpassen wollte. Gleich kamen auch die ersten Leute, die mir die beste Musik von Afrika, wunderschöne Halsketten und des Weiteren verkaufen wollten. Um für mich ein Einjahres Visum zum besorgen, sollte es nun zum Central Immigration Office gehen. Irene und Suleiman begleiteten mich, ohne die ich auch vollkommen aufgeschmissen gewesen wäre. Wir standen bei der einen Meldestelle an, wurden zur nächsten geschickt und erst im dritten Büro konnte uns dann geholfen werden. Die ganze Angelegenheit stellte sich als komplizierter heraus als ich zuerst angenommen hatte. Die kenianische Botschaft in Berlin hatte mir nämlich im voraus gesagt, dass ich für ein Jahres Visum mich in Kenia vor Ort kümmern soll. In Mombasa wurde mir aber gesagt, dass ich kein Visum brauche, sondern ein Permit. Dieses kann anhand meines Volunteer-Vertrages, der natürlich erst von offizieller Seite übersetzt werden muss, ausgestellt werden. Mit diesem Permit kann ich dann ein Visum beantragen. In dem Büro wurde mir schon angst und bange, denn es sah so aus als sei es unmöglich ein Visum zu bekommen. Der Sachbearbeiter war aber sehr nett, und vor allem fand er meinen neuen deutschen Reisepass so toll. Er zeigte mir mit einer UV-Lampe die ganzen versteckten Wasserzeichen und war total begeistert. In einer Woche möchte er uns bescheid geben, wenn er mit seinem Boss in Nairobi gesprochen hat.
    Weiter ging es nun zur KSPCA (Kenian Society for Protection and Care of Animals), wo ein neuer, richtiger Wachhund gefunden werden sollte. Ich war erstaunt, wie sauber und ordentlich das ganze Tierheim war. Den Tieren dort schien es wirklich richtig gut zu gehen.
    Wir konnten und wollten uns aber noch nicht sofort für einen Hund entscheiden, und fuhren somit ohne neues Haustier weiter zum Nakumatt. Hier holte mich die westliche Welt wieder ein, der Laden sah aus wie ein europäischer Supermarkt. Die Preise waren auch dem entsprechen hoch (auf Touristen eingestellt). Nach einiger Zeit, die wir zum Shopping für das Heim benötigten, ging es im Dunkeln über die Löcherstrasse zurück nach Hause. Zum Glück hatten die Mamas noch einiges an Essen für uns aufgehoben, so dass wir uns noch den Bauch füllen konnten. Völlig müde war ich, als wir dann endlich im Haus ankamen. Trotzdem saßen wir noch einige Zeit zusammen und redeten. Von Irene konnte ich schon einige Nützliche Tipps für den Umgang mit Afrikanern bekommen. Voll von den vielen Eindrücken des heutigen Tages, schlief ich sofort ein, bevor mein Kopf das Kissen berührt hatte.

    4. Tag (Di. 31.07)
    Nach einem leckeren Frühstück mit kenianischer Mango-Marmelade und feinem weißem Brot gingen wir dann zum Heim. Helmut und ich hatten uns vorgenommen, die kaputte Waschmaschine zu reparieren. Vorher wunderten wir uns aber darüber, dass einige Kinder noch zuhause waren; es war nämlich eigentlich Schulzeit. Von den Mamas erfuhren wir dann, dass der Kindergarten schon Ferien hatte.
    Die Waschmaschine bereitete uns einige Probleme, wir dachten zwischenzeitlich sogar, dass die Pumpe kaputt sei. Nach einigem Stromtesten, Aufschrauben, Pumpe reinigen usw. kamen wir schließlich auf das Problem. Erstens war ein Nagel in der Pumpe, der diese verklemmte und zweitens hat ein Handwerker den Stromzulauf zur Pumpe getrennt und mit Wackelkontakt wieder zusammengefügt. Letztendlich lief die Waschmaschine also wieder.
    Wir waren glücklich über die getane Arbeit, denn die ganze Wäsche des Heims per Hand zu waschen, war für die Mamas und die Kinder auch kein Vergnügen.
    Nun gab es auch schon Mittagessen und danach gingen Petra, Janna, Helmut und ich in den Ort, um einige Besorgungen zu erledigen. Wir kauften Farbe, Abtropfkörbe (viel zu viel hat Petra für die bezahlt), Steckdosen u.Ä. Für den Rückweg bestellten wir uns dann ein Tuk Tuk. Diese Fahrt war ein wunderbares Erlebnis. Ich hoffe, dieses Verkehrsmittel noch oft nutzen zu können. Den Nachmittag verbrachten Helmut und ich damit, alte Steckdosen und Kabel zu ersetzen und zu reparieren. Janna beschäftigte sich mit den Kindern, und begann diese schon ein wenig besser kennen zu lernen. Nach meinem ersten Telefonat mit meinen Eltern, gab es schon wieder Abendbrot. Auch ich hat während des Tages öfter mal die Chance, mich mit den Kindern zu beschäftigen. Das macht wirklich großen Spaß.
    Als wir nun am Abend zurück im Haus waren, hatte ich die Möglichkeit die Ereignisse der ersten Tage aufzuschreiben. Bis jetzt war ich noch nicht dazu gekommen.
    Als erste kleine Reflektion über das bisher erlebte kann ich sagen, dass ich mich riesig auf das kommende Jahr freue!!!
  2. 5. Tag (Mi. 01.08)
    Heute bin ich schon früher aufgestanden als die anderen Tage. Helmut und ich hatten nämlich vor das Küchenhaus zu reparieren. Das Haus hat sich nämlich mit der Zeit zu einer Seite geneigt. Es sieht jetzt schon recht kritisch aus. Außerdem hat es in der Nacht voll einen recht heftigen Windsturm gegeben. Ich habe davon überhaupt nichts mitbekommen, da ich so fest geschlafen habe. Helmut, Petra und Irene sind aber wohl in der Nacht um das Haus geschlafen um zu kontrollieren das nichts passiert ist, weil es auf dem Dach so laut geknallt hat. Ich war wohl von den Eindrücken der ersten Tage so erfüllt, dass ich sehr tief geschlafen und darum nichts mitbekommen habe. Gestern Abend ist auch Lilly, die Schwester von Irene aus Mombasa zurückgekommen. Nach dem Frühstück kam Steve, die einstweilig Vertretung von Moses, der ja wegen seiner Verletzung an der rechten Hand ausgefallen war, zu uns zum Haus. Er sollte anfangen auf der Terrasse die hintere Wand weiß zu streichen. Damit fing er prompt an, wobei ihn Farbflecken auf den Lampen, Türen und dem Boden nicht zu stören schienen
    Am Heim angekommen, fingen Helmut und ich an das Küchenhaus wieder aufzurichten.
    Helmut hatte die Idee ein langes Seil zwischen dem Küchenhaus und dem Haupthaus zu spannen. Dies funktionierte auch sehr gut und es gelang uns, das Haus wieder in die gewünschte Position auf zurichten. Danach fixierten wir unter dem Dach des Hauses die Verstrebungen mit zwei neuen Winkeln. Außerdem wechselten wir einen der alten Pfeiler an der Vorderseite des Küchenhauses aus und benutzten diesen alten Pfeiler als Stütze an der Hinterseite. Als wir das Seil dann am Abend lösten, bewegte sich das Küchenhaus keinen Millimeter wieder zurück. Es steht nun wieder schön fest da und Moses meinte, dass er glaubt das Haus wäre nun wieder zwei Jahre lang stabil. Es gab am heutigen Tag wieder zwei wunderbare Essen, wobei die Kumbu (= kleine Fische) vor allem Helmut sehr gut schmeckten. Mit den Kindern spielten Janna und ich am Abend Fußball, was auch großen Spaß gemacht hat. Tiger drehte am Abend völlig ab und sprang alle nur noch an und wollte spielen. Janna und Petra haben ihren Tag ansonsten damit verbracht, Löcher in den Moskitonetzen zu flicken und Kleidungsstücke zu reparieren. Vor allem Mary interessierte sich hierfür sehr stark.
    Tina K., Santa, Zaituni, Pendo und Sunde haben heute ihre Teakwando ID Cards erhalten. Sie werden am 9. August für vier Tage nach Nairobi zu einem Turnier fahren. Darauf freuen sie sich alle riesig.
    Heute merkte ich sehr deutlich, dass die Kinder anfingen Vertrauen in mich und Janna zu fassen. Ich bin am Abend auch zu den Jungs herein gegangen um ihnen gute Nacht zu wünschen. Manche Kinder sind recht ruhig und andere dafür eher aufgedreht, aber alle sind sehr liebenswürdig. Sich mit ihnen zu beschäftigen macht richtig Spaß.
    Für Morgen habe ich schon ein Termin mit der Frau die den Kindern immer die Frisuren macht, ich bekomme nun nämlich Haare im Kilimandscharo Style.
    Mal schauen wie mir das dann steht. Also, heute Abend habe ich Zeit noch ein wenig in der Swahili Lektüre zu lesen. Vielleicht kann ich so die Sprache etwas besser lernen.

    6. Tag (Do. 02.08)
    Heute Morgen um 5:13h hörte ich die ersten Geräusche im Haus. Irene stand auf und duschte!
    Als ich dann zwei Stunden später aufstand, war sie natürlich schon längst weg.
    Helmut, Petra und Irene hatten einen Termin bei einem Grundstücksmakler um 11:00h. Bis dahin haben Helmut und ich den Rest vom Küchenhaus fixiert und am Abwaschhaus ein Licht installiert. Die Kinder und Mamas haben nämlich bis jetzt immer im Dunkeln abgewaschen. Wir Namen die Lampe aus dem Office, da Irene nun eine Schreibtischlampe hat. Als Helmut, Petra, Janna und Irene nun weggefahren waren, musste ich nur eine Viertelstunde herumsitzen und konnte dann bei der Mama, die den Kindern immer die Haare macht, meine Haare machen lassen. Ich hatte mir überlegt, dass ich mir meine Haare im Kilimandscharo Style machen lassen wollte. Ich saß nun also zwei Stunden im Sand und ließ mir meine Haare frisieren. Z.T. hat das ganz schön geziept und außerdem war der Sitz im Sand nach einiger Zeit total unbequem. Als die Kinder zum Essen kamen, fanden sie es alle sehr lustig, wie meine Haare jetzt aussahen. Sie sagten zu mir Mama Valli.
    Am Nachmittag hatten wir dann Besuch von einer französischen Familie. Sie waren sehr interessiert an dem Heim und brachten uns Stifte und Hefte mit. Die Kinder haben ihnen etwas vorgesungen und mit Moses und Irene zusammen einige Reigentänze aufgeführt. Ich fand diese Situation etwas komisch, da es mir vorkam als wenn die Besucher dachten, hier gäbe es gar nichts und alles sei auf primitivstem Niveau. Am Abend kamen Sunde, Pendo, Tina K., Zaituni und Santa von ihrem Taekwondo Training zurück. Sunde ist dort ziemlich blöd gefallen und hat sich dabei den linken Fuß und das linke Knie verstaucht. Es sieht so aus, als wenn er nicht zum Wettkampf nach Nairobi wird mitfahren können. Außerdem habe ich heute Abend den ersten richtigen tropischen Regenschauer miterleben können. Alles wurde total nass und es entstanden in kürzester Zeit große Pfützen, die aber bald nachdem der Regen aufgehört hatte wieder verschwunden waren. Nach den Essen konnten wir trockenen Fußes zum Haus zurückgelangen. Dort war es am Abend auch trocken aber in der Nacht fing der Regen dann so richtig an.
  3. 7. Tag (Fr. 03.08.)
    Heute haben alle Kinder ihre Zeugnisse bekommen. Sie waren deshalb schon sehr früh wieder aus der Schule da. Helmut und ich begannen das Zimmer der Jungs umzuräumen, so dass diese dort mehr Platz zum spielen während der Regenzeiten haben. Dafür musste das eine Bett um zehn Zentimeter gekürzt werden. Das war eine recht komplizierte Aufgabe, da die Betten ja alle Stockbetten sind. Trotzdem haben wir es irgendwann geschafft und nun ging das große Herumgeschiebe los. Als wir damit fertig waren, war in dem Zimmer so viel Platz, dass wir auf die Idee kamen, Leons kleines Bett auch mit in das Jungenzimmer zu stellen. Das war leichter gesagt als getan, denn es stellte sich heraus, dass wir Leons Bett nicht durch den Flur ins Zimmer hinein bekommen würden. Wir mussten also die Stangen vom Moskitonetz absägen um das Bett endlich in das Zimmer hinein zu bekommen. Leon hat sich darüber sehr gefreut, da er nun endlich bei den Jungs schlafen kann. Das Essen war wie immer Vorzüglich, heute gab es Reis mit gegrilltem Hähnchen. Am Nachmittag waren Janna, Petra, Helmut, Irene, Leon und ich unterwegs und haben uns verschiedene Grundstücke angeschaut. Es war aber keins dabei, was Helmut und Petra wirklich zugesagt hätte. Irene sagte zu mir, dass sich Helmut und Petra bald entscheiden müssten, da sonst alle akzeptablen Grundtücke weg wären.
    Eigentlich wäre heute mein Off-Day gewesen, aber es gab arbeit zu tun und deswegen war ich trotzdem im Heim. Ich denke, dass sich das letztendlich irgendwie ausgleichen wird. Am Abend war ich wie immer hier sehr müde, aber trotzdem erfüllt.

    8. Tag (Sa. 04.08)
    Heute Morgen haben Janna und ich den Kindern unsere erste Deutschstunde gegeben. Das hat wirklich Spaß gemacht, da die Kinder schon einiges können. Wir haben geübt, wie man sich vorstellt, die Farben und Zahlen wiederholt und ein neues Lied angefangen. Wir haben die erste Strophe von „Die Affen rasen durch den Wald“ gelernt. Den Kindern ein neues Lied beizubringen ist schwieriger als man denkt. Sie sprechen nämlich Wörter die sie noch nicht kennen recht falsch aus und es ihnen richtig beizubringen ist gar nicht so leicht. Nach der Deutschstunde, über die sich die Kinder sehr gefreut haben, haben wir Besuch von zwei jungen Deutschen aus Nürnberg bekommen. Das waren Freunde von Petra Scherz und sie haben Geschenke für die Kinder mitgebracht. Außerdem hatten sie ein Geschenk für Tuma dabei, da sie ja heute Geburtstag hat.
    Nach dem Essen sind Janna und ich mit den meisten Kindern schwimmen gegangen, was auch wieder sehr schön war. Mittlerweile kenne ich auch die Namen der meisten Kinder, und si sind mir alle schon jetzt ans Herz gewachsen. Es sind alle sehr liebe und überhaupt nicht freche Kinder. Ich denke, das von dem Benehmen der Kinder hier die deutschen Kinder lernen könnten. Als wir vom Schwimmen wieder kamen, hatten Petra und Irene sich überlegt, einen neuen Jungen aufzunehmen. Zum Schlafen muss dieser allerdings immer zu Mama Grace gehen, da im Haus kein Platz mehr ist. Der Junge heißt Kennedy, ist 17 Jahre alt und auch ein Vollwaise. Er hat jetzt schon neue Kleidung bekommen, worüber er sich riesig gefreut hat.
    Nach dem Abendessen gab es für Tum und Mama Edith, die auch Geburtstag hat, einen Kuchen und ein paar Geschenke. Die Zeremonie mit dem Kuchenessen und dem Singen und Tanzen hat mir sehr gut gefallen.
    Danach war noch Movie Time. Für die Kinder war das ganz schön spät, aber der Film hat allen gut gefallen. Wir haben den Film „Zwei Brüder geschaut“, ein sehr schöner Tierfilm über zwei Tiger. Fast keiner der Kinder ist eingeschlafen, außer Leon.
    Am Ende dieses Tages ist mir eingefallen, dass Janna und ich nun schon ein Woche hier sind. Wir haben schon so viel gesehen und so viele Erlebnisse verschiedenster Art gemacht, dass mir die Zeit schon viel länger vorkommt.

    9. Tag (So. 05.08)
    Heute Morgen waren bei uns im Haus Handwerker, um im Wohnzimmer eine zusätzliche Trennwand einzuziehen. Es sollen dort zwei neue Gästezimmer entstehen.
    Helmut und Petra sind im Haus geblieben um auf die „Fundis“ aufzupassen. Als Janna und ich ins Heim kamen, waren die Kinder und die Mamas gerade auf dem Weg zur Kirche. Nur Mama Betty war da geblieben, da Irene am Sonntag ja sowieso ihren freien Tag hat. Ich musste noch einige Tage im Daily Report Book eintragen und das Tagebuch aktualisieren. Janna hat unsere Wäsche gemacht, die wir über die Woche gesammelt haben. Nachdem ich im Büro fertig war, habe ich Mama Betty beim Essen machen geholfen. Als die Kinder aus der Kirche kamen, waren die zum ersten Mal ein wenig frech und aufgedreht. Vor allem Pendo und Dalli haben mit allen gestritten und waren laut.
    Als wir nach dem Essen nach Hause gingen, war ich zum ersten Mal genervt von den Kindern. Nachdem Janna und ich uns einige Zeit hinter dem Haus auf den Liegen ausgeruht haben, war ich aber wieder beruhigt. Wir haben den Kindern am Nachmittag wieder eine Deutschstunde gegeben und da hatte ich das Gefühl, dass alle Kinder wieder nett waren.
    Nach dem Essen war ich noch einige Zeit im Jungs- und dann im kleinen Mädchenzimmer. Das war wieder total schön und nett. Wir haben uns noch einige Zeit auf deutsch unterhalten. Alle Kinder scheinen von den Deutschstunden begeistert zu sein und die Dinge die wir ihnen beibringen zu behalten. Heute vor einer Woche sind wir angekommen und jetzt habe ich schon das Gefühl, teil der Gemeinschaft zu sein.
  4. 10. Tag (Montag, 6. 8.)

    Valentin, Helmut und Irene sind heute nach Mombasa gefahren, um für Valentin ein Visum für ein ganzes Jahr und um für Irene das Visum für ihre bevorstehende Deutschland-Reise zu beantragen – leider Erfolglos.
    Petra und ich haben mit einigen Kindern ihre Schränke aufgeräumt und Sachen aussortiert. Wir mussten viele Sachen wegtun, da vieles inzwischen sehr kaputt ist. Leider mussten auch einige Schulschuhe weg, beispielsweise die von Brian, Loch an Loch – hält doch nicht.
    Aus einer alten Matratze haben wir Kissenfüllungen hergestellt, Mama Edith hat dafür schöne Kissenbezüge genäht.
    Für Santa, Pendo, Tina K. und Zaituni war wieder Taekwondo-Training. Sunde konnte heute immer noch nicht trainieren, er läuft schon wieder viel rum, aber sein Knie ist noch dick und manchmal humpelt er.
    Die Antilopen-Gruppe hatte heute eine Deutschstunde. Die Kinder sind sehr lernbegierig, reden aber auch gerne dazwischen. Aber es macht viel Spaß mit ihnen.
    Jimmy hat seit einigen Tagen einen sehr dick angeschwollenen Finger, Irene und ich waren mit ihm am Samstag im Krankenhaus. Das Krankenhaus hat auf mich einen sehr guten und sauberen Eindruck gemacht, der Arzt war sehr freundlich. Jimmy hat in seinem Finger ein Tier – wahrscheinlich eine Insektenlarve („Dudu“). An Armen und Beinen hat er kleine bakterielle Infektionen. Gegen das „Dudu“ musste er zwei Spritzen bekommen (eine Samstag, eine Sonntag) und ein anderes Medikament. Für Jimmy war es sehr schlimm, er hat um sich getreten und geschrieen und musste von mehreren Personen festgehalten werden, damit die Schwester ihm die Spitze geben konnte.
    Heute Abend ist der Finger aufgeplatzt, es lief eine trübe Flüssigkeit heraus. Petra hat ihm den Finger zur Nacht verbunden, damit die Flüssigkeit nicht im Bett landet. Jimmy hat Vertrauen zu mir gefasst, wahrscheinlich durch unsere Krankenhausaktion.
    Es wurde heute eine Geschichte vorgelesen, Sterntaler – „Star Money“, die Kinder wollten sie gleich noch mal hören. Überhaupt waren sie danach sehr aufgedreht und es hat lange gedauert, bis alle im Bett waren. Außerdem mussten einige Jungs ihre Betten noch beziehen.

    11. Tag (Dienstag, 7.8.)

    Vormittags habe ich mit den Kindern Briefe an die Paten geschrieben. Ich hatte es eigentlich nicht geplant, ich habe angekündigt, dass ich zur Post gehe, deshalb sollten die Kinder, die in den letzten Tagen Briefe geschrieben hatten, mir ihre Briefe geben. Plötzlich fingen fast alle an, Briefe zu schreiben. Ich musste immer die Adressen auf die Briefumschläge schreiben, wir haben jetzt kaum noch Briefumschläge.
    Anschließend bin ich mit Santa, Dally, Esther und Petra in zur Post und Einkaufen gegangen. Die großen Kinder haben in den Ferien „Einkaufsdienst“.
    Wir haben für Esther, Kelvin und Jimmy einige neue Kleider und Unterhosen für alle Mädchen gekauft. Die Unterwäsche der Kinder löst sich immer sehr schnell in Luft auf, plötzlich hat keiner mehr Unterhosen. An allen Marktständen möchten die Verkäufer einem so viele Dinge wie möglich „andrehen“, aber fast noch schlimmer waren Santa und Dally, ihnen fiel immer noch jemand ein der irgendetwas noch sehr dringend benötigt…
    Kennedy brauchte noch lange Hosen - „for Church“ und kältere Tage. Deshalb bin ich mit ihm am Nachmittag noch mal Einkaufen gegangen.
    Am ersten Hosenstand waren wir uns mit der Hosengröße nicht sehr sicher, deshalb wollten wir noch ein bisschen weiter gehen. Am Ende haben wir doch zwei Hosen dort gekauft, aber erst nachdem wir den Preis gut runtergehandelt haben.
    Auf dem Heimweg habe ich noch Bananen gekauft - meine ersten Bananen in Afrika (sehr lecker).
    Wir waren zu lange unterwegs, deshalb ist die Deutschstunde für die „Antilopen“ ausgefallen. Valentin konnte die „Löwen“ auch nicht unterrichten, da fast alle seine Schüler nachmittags nicht im Heim waren.
    Vormittags waren er und Irene mal wieder in Mombasa, um ihre Visa zu bekommen.
    Abends hat Valentin wieder eine Geschichte vorgelesen, sogar die Mamas haben zugehört.
    Danach sollten die kleinen Kinder ins Bett, jedoch gab es (mal wieder) einige nicht bezogene Betten.

    12. Tag (Mittwoch, 8.8.)

    Heute haben wir gleich morgens die Deutschstunden gegeben, damit nicht wieder etwas dazwischen kommt. Es macht wirklich Spaß mit den Kindern zu lernen. In der Antilopen-Gruppe ist Tuma die beste Schülerin. Sie versteht schnell und kann auch von sich aus Sätze neu kombinieren, so dass sie einen neuen Sinn ergeben. Was den Unterricht etwas schwierig gestaltet, ist die Tatsache, dass noch nicht alle Kinder lesen und schreiben können. Die Kindergartenkinder lernen es gerade erst. Deshalb müssen wir mündlich viel üben, damit sie es auswendig lernen können.
    Der Tag verlief recht ruhig, wir hatten noch Besucher aus der Schweiz, die sich sehr für Kinderhilfsprojekte interessiert haben.
    Valentin hatte sein Diabolo und ich Jonglierbälle mit ins Heim genommen. Die Kinder (und Moses) probierten natürlich alles aus. Einer meiner Jonglierbälle ist leider relativ schnell kaputtgegangen, die Schnur des Diabolo ist gegen Abend gerissen.
    Nachmittags wollte Valentin noch bei der Navy Bier kaufen, dort war es aber ausgegangen, so musste er welches in Kilifi besorgen.
    Die Taekwondo-Gruppe hat ihre Sachen gepackt und fährt morgen mit Mama Edith nach Voi. Abends wurde wieder eine Geschichte vorgelesen, danach sind alle ins Bett gegangen. Brian musste alleine im Wohnzimmer schlafen, weil er fast jede Nacht ins Bett macht und sich nicht darum kümmert, dass seine Bettsachen gewaschen werden etc.
  5. 7.Tag (13.08)
    Für den heutigen Tag war geplant, dass Janna und ich mit Fadhili, Tuma und Bahati deren Angehörigen besuchen. Das Dorf wo wir hinwollten, liegt vor Mombasa und heißt Msumarini. Es liegt ca. zwei Kilometer von der großen Strasse entfernt, mitten im Busch.
    Der Anlass unseres Besuches war die Geburt eines kleinen Mädchens, dass jetzt genau eine Woche alt war. Nach kenianischem Brauch wird ein Neugeborenes nach einer Woche zum ersten Mal nach Draußen gebracht, wo es der Sonne entgegenschauen kann. Dies ist dann auch die erste große Feierlichkeit für das neue Kind.
    Irene sagte uns, dass wir als Geschenk ein Hühnchen mitnehmen sollten. Wir fuhren also im Heim ab, mit einem Tuk Tuk (dreirädrige Fahrzeuge von Piaggio, fahren auch viel in Italien) zum Busbahnhof. Dort sollten wir dann einen Kleinbus (Matatu) in Richtung Mombasa nehmen. Matatus sind Japanische Kleinbusse (Nissan, Toyota,…) die mit 15 Sitzen ausgestattet sind. Sie sind dementsprechend eng und auf den kenianischen Strassen wird das recht eng, gerade bei der Länge meiner Beine. Wir saßen dann endlich alle im Matatu, ich mit einem Karton auf dem Schoß, au dem ab und zu ein krächzen zu hören war.
    Als wir dann an der Abzweigung hielten, von der aus wir zu Fuß weiterlaufen sollten, war ich recht froh, denn das Matatu ist zu eng für mich.
    Gleich an dem Abzweig waren einige Jungs, die Bahati und Tuma kannten und die uns bis zum Dorf begleiteten. Wir gingen nun 45 Minuten durch den Busch, auf kleinen Pfaden die immer mal von Ansammlungen kleiner Lehmhütten gesäumt waren.
    Endlich erreichten wir dann ein kleines Dorf, was sich als Zielort herausstellte. Wir wurden sehr freundlich empfangen und für uns und alle anderen Gäste die Heute gekommen waren, gab es schwarzen Tee und kleines Fettgebäck.
    Wir saßen auf selbst gezimmerten Hockern vor einer Lehmhütte, mitten in einer afrikanischen Feierlichkeit. Für mich war hier noch mal alles ganz anders als bei uns im Waisenhaus, weil hier wirklich das ursprüngliche Afrika war. Mir wurde klar, in welcher Armut viele Menschen leben. Sie haben gerade genug zum überleben, aber dafür müssen sie trotzdem täglich kämpfen. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass sie die Menschen über ihr Dasein beklagten. Sie machten auf mich einen fröhlichen Eindruck und waren sehr gastfreundlich.
    Ihre Gastfreundlichkeit war sogar ein wenig beschämend, da sie uns sehr viel zu essen und zu trinken anboten. Nach diesem Empfang gingen Janna und ich mit ein paar anderen Erwachsenen zum Strand, welcher direkt an das neu gebaute Paradise Hotel angrenzt, auf welches 2002 der Bombenanschlag verübt wurde.
    Die Kinder spielten unterdessen mit ihren ehemaligen Freunden. Wir sagten unseren Gastgebern, dass wir gerne so gegen 15h wieder gehen wollten, so dass wir eine Matatu vor der abendlichen Rush-Hour erwischen könnten. Dass war auch in Ordnung, aber als es dann so weit war, wurden wir zum Mittagessen eingeladen, welches aus dem Hühnchen, dass wir mitgebracht hatten, zubereitet worden war. Wir konnten nun schlecht nein sagen, und so wurde unsere Abfahrt später als geplant. Nach dem Essen sollten wir noch Fotos der ganzen Anwesenden machen, wodurch es noch später wurde. Als wir dann schlussendlich an der großen Strasse waren, um ein Matatu anzuhalten, war es schon 17h.
    Natürlich waren alle Matatus entweder voll oder sie fuhren nicht nach Kilifi. Als anfing dunkel zu werden, rief ich Helmut an und fragte ihn, was wir am besten machen sollten.
    Er schickt uns dann ein Taxi, mit dem wir nach Hause fahren konnten.
    Das Taxi musste allerdings noch ein anderes Auto abschleppen, so dass wir nur mit 20km/h fahren konnten. Wir erreichten Kilifi dann erst um 20h. Wir waren alle so müde, dass wir nur noch schnell etwas gegessen haben und dann ziemlich bald ins Bett gegangen sind.
    Im Nachhinein fand ich es total spannend zu sehen, wie die Mehrheit der kenianischen Bevölkerung wirklich lebt.

    18. Tag (14.08)
    Nach einer fest durchgeschlafenen Nacht, gingen wir wieder zur Arbeit ins Heim. Dort erwartete mich eine weitere Überraschung: wir hatten am Tag zuvor zwei kleine Hundewelpen bekommen. Die waren beide total süß, aber auch voller Flöhe und anderer Viecher. Petra und ich waren den Vormittag damit beschäftigt, die beiden zu waschen und zu schrubben. Sie hatten danach zwar immer noch ein paar Flöhe, aber schon wesentlich weniger. Wir werden sie in den nächsten Tagen noch mal Waschen müssen.
    Nach dem Mittagessen und der anschließenden Pause, haben Janna und ich den Kindern wieder eine Deutschstunde gegeben. Die Kinder waren hier schon recht unruhig, was sich nach dem Unterricht noch weiter verstärkte.
    Nach dem Abendbrot, hielt Mama Grace den Kindern einen langen Vortrag, wonach die meisten Kinder auch direkt ins Bett gegangen sind.
  6. 24. Tag (Montag, 20.8.)

    Heute war mein Geburtstag. Es war natürlich ein nicht so fröhlicher Tag, weil wir alle noch sehr erschüttert und sehr traurig über den Tod von Petra und Helmuts Tochter sind.
    Auch werden hier die Geburtstage anders gefeiert, als ich es von zu Hause gewohnt bin.
    Morgens sind die Mamas und Moses zu uns ins Haus gekommen, um einige Zeit bei Petra und Helmut zu sein und ihnen Trost zu spenden.
    Ich durfte mir ein Abendessen wünschen, fand es aber sehr schwer in dieser Situation an Essen zu denken. Wir haben uns dann überlegt, dass es Fisch mit Reis geben sollte.
    Valentin, Moses und ich sind später gemeinsam mit George (Tuktuk) nach Kilifi hereingefahren, um einige Einkäufe zu erledigen. U. a. wollten wir für das Abendessen Fisch kaufen, es war nicht möglich, einen großen Fisch zu bekommen, deshalb mussten wir mehrere kleinere nehmen.
    Im Laufe des Tages bekamen einige Kinder mit, dass ich Geburtstag habe. Sie fragten mich, wie alt ich bin, sie konnten es nicht glauben, dass ich 20 Jahre alt geworden bin (ich auch nicht…).
    Nachmittags kamen Roberta und ihre Freunde und schenkten den Kindern Armbanduhren. Leon bekam keine, dafür aber einen Lastwagen zum spielen und ganz viel Sandspielzeug. Er musste aber etwas weinen, weil er auch eine Uhr haben wollte.
    Nachdem die „Italiener“ wieder gegangen waren haben wir gegessen. Das Essen hat mal wieder sehr gut geschmeckt.
    Anschließend haben die Kinder gesungen und jeder durfte/musste tanzen. Nach einiger Zeit sind fast alle Kinder, die Mamas und Irene ins Haus gegangen und sind singend mit einem Kuchen wieder herausgekommen. Ich musste den Kuchen schneiden und ihn verteilen. Für jeden Teil dieser „Zeremonie“ singen alle anderen Lieder, die dazu auffordern, beispielsweise den Kuchen zu schneiden. Nach dem alle ein Stück Kuchen bekommen hatten, habe ich noch ein Geschenk bekommen.
    Anschließend durften noch alle tanzen. Insgesamt hatten wir sehr viel Spaß.
    Die Stimmung am Abend war genau komplementär zu der am Morgen.

    25. Tag (Dienstag, 21.8.)

    Heute war die Stimmung eher gedrückt, weil Petra und Helmut morgen wieder nach Hause fliegen.
    Valentin und Moses haben heute die Außentoilette fertig gestellt. Es ist nun zur Benutzung freigegeben. Da die Toilette so sauber wie möglich gehalten werden sollte, ist ein „im-Stehen-Pinkeln- Verbot“ ausgesprochen worden. Um es anschaulicher zu machen und damit jeder daran denkt, hat Valentin eine kleine Skizze gezeichnet. Für uns Deutsche nichts besonderes, aber für die Kenianer sehr neu – beim Wasserlassen sitzen. Es wurde deshalb viel über das Bild im Klo gelacht.

    26. Tag (Mittwoch, 22.8.)

    Um 4:30 Uhr sind Petra und Helmut mit Irene Richtung Flughafen aufgebrochen. Ich bin extra aufgestanden, um mich noch einmal bei ihnen zu verabschieden.
    Am Vormittag kamen Handwerker, die die Duschen repariert haben. Die Kinder können nun drinnen Duschen, ohne das Wasser in Eimern ins Haus zu tragen – wenn wir Wasser haben.
    Nachmittags wollten wir mit Roberta an den Strand gehen. Vormittags hat es aber ständig geregnet, ich dachte schon, dass das Wetter nachmittags auch so kühl und verregnet sein wird. Doch Petrus oder ein afrikanischer Wettergott meinte es gut mit uns, denn nachmittags war es sonnig und warm. Wir hatten sehr schöne Stunden mit den Kindern, Roberta, den anderen Italienern, Mama Betty und Mama Edith.
    U. a. sind wir Seil gesprungen, wir hatten natürlich kein Seil mitgebracht, aber Tuma und Leon haben einer Pflanze, die am Strand wächst, die Blätter abgemacht und der sehr lange Stängel eignete sich gut zum Seilspringen. Moses war auch mit am Strand – zwischen den Kindern fällt er gar nicht auf, eigentlich ist er das größte Kind bei uns.
    Als wir das letzte Mal mit den Kindern zum Strand gegangen sind, musste Leon nach Hause getragen werden. Diese Aufgabe übernahm selbstverständlich Tuma, sie ließ Leon nicht von Valentin tragen. Dieses Mal hatten wir den Fahrradanhänger dabei. Das hatte den Vorteil, dass Leon auf beiden Strecken im Wagen sitzen konnte und einige Kinder „schmuggelten“ auch ihre Schwimmflügel in den Wagen.
    Vormittags wollte ich alle Schwimmflügel testen, weil die Kinder immer irgendwelche nehmen und dann am Strand merken, dass sie kaputt sind. Netterweise halfen mir einige Kinder, doch am Ende hatten wir immer noch so manch kaputten Schwimmflügel dabei. Glücklicherweise hat uns Roberta neue mitgebracht.
    Auf dem Rückweg sind wir an dem Kiosk vorbei gegangen, an dem sich die Kinder gerne Kaugummi kaufen. Es gibt dort „Mr. Berry“ für einen Kenya-Shilling zu kaufen. Da ich Mary versprochen hatte ihr ein Kaugummi zu kaufen, habe ich gleich etwas mehr Geld investiert und allen Kindern, die mit mir gelaufen sind, und natürlich auch den Mamas ein Kaugummi spendiert.
    Die Kinder (ich auch!) waren am Abend ganz schön müde und sind dann auch nach einem guten Abendessen ins Bett gegangen.

    27. Tag (Donnerstag, 23.8.)

    Heute ist im Kinderheim eigentlich nichts Besonderes gewesen. Außer, dass wir vormittags einen sehrniedrigen Wasserdruck hatten, wenige Stunden später gar kein Wasser mehr. Was aber beruhigend ist, ist die Tatsache, dass das Wasser irgendwann immer wieder kommt und dass wir ja eine Außentoilette haben. Damit diese auch abends benutzt werden kann, hat Valentin eine Lampe installiert, der Schalter dafür befindet sich im Küchenhaus.
    Die Kinder nutzen die Toilette, d. h. sie sparen – wenn wir denn Wasser haben – etliche Liter Wasser für die Klospülung.
    Gegen Abend habe ich noch mit den Mädchen besprochen, was wir am Samstag kochen könnten. Das Problem, was bei solchen Besprechungen immer besteht ist, dass die Kinder (in diesem Fall die großen Mädchen) gerne nur in Kisuaheli sprechen, und ich dann nichts verstehen und nichts sagen kann.
    Am Ende hatten wir uns aber auf „Chicken and Rice“ und „Ugali and Kumbu“ geeinigt.

    28. Tag (Freitag, 24.8.)

    Vormittags habe ich mit einigen Kindern Briefe geschrieben. Die Kinder schreiben eigentlich gerne Briefe, jedoch schmieren manche beim Schreiben noch sehr herum und der Inhalt gleicht sich auch häufig sehr stark. Ich habe eine Liste angefangen, damit ich mir einen Überblick verschaffen kann, wer wem einen Brief geschrieben hat und ob es auch einen Antwortbrief gibt.
    Mittags haben wir Robertas Geburtstag gefeiert. Den ganzen Vormittag waren die Mamas am Kochen, denn es gab Reis, Ugali und Chapati mit Fisch (spendiert von Roberta) – sehr lecker.
    Außerdem gab es Soda (Cola, Fanta und Sprite) für alle. Nach dem Essen gab es den Geburtstagskuchen und wir haben alle für Roberta gesungen. Obwohl dieser Geburtstag nicht der „Geburtstagstradition“ des Waisenheims entsprach, hatten alle sehr viel Spaß und Roberta hat es, glaube ich, auch sehr genossen bei uns zu sein.
    Ich habe so viel zum Mittagessen gegessen, dass ich abends keinen Hunger mehr hatte und nichts gegessen habe.

    29. Tag (Samstag, 25. 8.)

    Heute sind Mary, Tina Olli und Valentin nach Mombasa zum Flughafen gefahren, um Martin abzuholen. Martin wird unser erster Gast in einem der beiden neuen Gästezimmer sein.
    Alle haben sich auf „crazy Martin“ gefreut, da alle wussten, dass es einige sehr lustige Tage werden mit ihm.
    Die Mädchen haben die Gerichte gekocht, die wir am Donnerstag beschlossen hatten. Es hat alles sehr gut geschmeckt. Für das Abendessen mussten die kleinen Fische (Kumbu) geputzt werden, d. h. die Köpfe müssen vom Körper abgetrennt werden. Keine schwere Arbeit, aber die Menge an Fischen für fast 30 Personen ist einfach sehr groß. Dabei haben aber auch einige Jungs geholfen. Natürlich auch Leon, am Anfang hatte er nicht ganz verstanden, was man machen muss, deshalb hat er einfach die ganzen Fische in die Schüssel für die fertigen getan. Kurze Zeit später hatte er es aber verstanden und half uns die Fische zu „enthaupten“. Insgesamt war der Mädchen-Kochtag diese Woche schöner, als die Woche davor.
    Den Tag über ging es mir nicht so gut, ich hatte Kopfschmerzen und taube Arme, also die gleichen Anzeichen wie bei Valentins Malaria. Deshalb bin ich nachmittags ins Krankenhaus und habe einen Malariatest machen lassen, denn ich wollte sicher sein, dass ich keine habe. Kennedy und Sunday haben mich netterweise zum Krankenhaus begleitet, da sie für Sonntag noch einkaufen mussten. Sie wollten mich eigentlich auch wieder abholen, ich fand es aber überflüssig, musste ihnen aber versprechen ein Tuktuk für den Heimweg zu nehmen.
    Im Krankenhaus ist ein Malariatest keine große Sache, für mich auch nicht, da er negativ ausfiel, ich war also gesund. Als ich aus dem Krankenhaus heraus kam fühlte ich mich gleich viel besser und bin zu Fuß zurück zum Heim gegangen.
    Als ich am Heim ankam machten mir Tina Olli und Queeni das Tor auf und wollten weggehen. Ich habe mir gedacht, dass sie sich ein Kaugummi kaufen wollten und habe ihnen 30 Shilling mitgegeben, damit sie für jeden eins kaufen können. Die Kinder und auch die Mamas haben sich wieder sehr darüber gefreut.
    Abends ist auch noch mal Roberta vorbei gekommen, sie hat uns mitgeteilt, dass sie am nächsten Tag mit ihren Freundinnen auf Safari fährt und Montag wiederkommt. Sie wollte sich noch bei Irene telefonisch melden (sie war ja noch in Nairobi), um mit ihr abzusprechen, wann wir einen Ausflug machen könnten. Leider konnte niemand, weder wir noch Roberta Irene telefonisch erreichen, da ihr Handy ausgeschaltet war. Wir wussten nicht genau wann sie wieder kommt, rechneten damit, dass sie Sonntagabend wieder da sein würde.
    Am Abend ist noch Moses bei uns zu Besuch gewesen. Wir haben den ganzen Abend viel Spaß gehabt und eigentlich die ganze Zeit gelacht.

    30. Tag (Sonntag, 26. 8.)

    Heute war das erste Frühstück mit Martin, unserem Gast. Wir hatten ein schönes, leckeres Frühstück, es gab zwar kein Ei, aber eine Mango. Nach diesem ausgiebigen Frühstück sind Martin und ich ins Heim gegangen, Valentin ist noch ein bisschen im Haus geblieben.
    Sunday, Fadhilli und Kennedy waren noch im Heim, weil sie auf uns gewartet haben, denn es sollte immer jemand im Heim sein.
    Die Milch war gerade gekommen, und ich wollte sie auf den Kocher stellen, vorher musste ich aber einen anderen Topf herunter nehmen. Da die Töpfe immer sehr heiß sind, wollte ich mir Handschuhe anziehen. Ich bin mit einer Hand in den Handschuh und habe mit dem Zeigefinger gefühlt, dass da irgendetwas im Handschuh war. In dem Moment stach mit das Etwas in den Finger. Vor Schreck habe ich mir den Handschuh schnell von der Hand gerissen, dabei fiel das Tier auf den Boden und kroch weg. Ich konnte es nicht identifizieren, ich habe nur gesehen, dass es ca. 5 cm, schwarz und dünn war. Mein Finger hatte zwei kleine rote „Einstichstellen“ und fühlte sich an, als ob ich eine Brennnessel im Finger hätte. Nach einiger Zeit hörte der Schmerz zum Glück auf. Ich habe aber keine Handschuhe mehr angezogen.
    In der Zwischenzeit hatten die Jungs sich fertig umgezogen (Kennedy musste sich noch ein Hemd bügeln…) und verabschiedeten sich von mir. Auch Martin sagte „bye, bye“ und verschwand mit den Jungs. Ich dachte er begleitet sie ein Stück und kommt gleich zurück, aber nach 20 Minuten war er immer noch nicht wieder da – er war mit in die Kirche gegangen.
    Da die Kohle noch sehr heiß war, aber Valentin noch nicht da war habe ich angefangen die Eier für das Mittagessen zu kochen. Da es immer relativ lange dauert, bis das Wasser kocht, habe ich parallel auch noch unsere Außentoilette sauber gemacht. Wir hatten den Mamas vergessen zu sagen, dass die Toilette auch geputzt werden muss.
    Die Waschmaschine konnten wir heute nicht benutzen, wir hatten zwar Wasser und Strom, aber heute hatten wir einmal kein Waschpulver. Valentin und Martin (er war wieder aus der Kirche zurück) versuchten in der Stadt neues zu kaufen, bekamen aber keins, trotzdem waren sie lange weg. Es war inzwischen schon recht spät und ich hatte gerade angefangen Brote für das Mittagessen vorzubereiten (eigentlich die Aufgabe der Jungs), als die ersten Kinder aus der Kirche zurückkehrten. Ich wurde als „good boy“ begrüßt und gefragt, ob ich Valentin wäre. Dann haben mir aber auch die anderen Jungs geholfen und wir konnten bald essen.
    Wir hatten gerade angefangen, als Martin und Valentin auch wieder zurückkamen.
    Zum Abendessen hat die Jungen-Kochgruppe Mandasi mit Bohnen gekocht, es war sehr lecker.
    Eigentlich haben wir Irene gegen Abend zurück erwartet, aber sie kam nicht. Wir konnten sie aber immer noch nicht erreichen.
  7. 31. Tag (27.08.)
    Nach einem guten Frühstück sind wir wie üblich ins Heim gegangen um mit unserem Arbeitstag anzufangen. Wir haben heute Vormittag wieder eine Deutschstunde gemacht, die mir viel besser gefallen hat als die letzte. Die Kinder waren wesentlich konzentrierter und ich hatte das Gefühl, das sie deswegen auch irgendwie mehr wussten. Martin hat an der Deutschstunde auch teilgenommen. Das war, wie alles mit Martin, sehr witzig. Nach der Deutschstunde und dem Essen sind Moses, Winnie und ich mit den meisten der Kinder zum Strand gegangen. Mittlerweile habe ich mir wirklich Sorgen um Irene gemacht. Sie sollte nämlich eigentlich am gestrigen Abend wieder aus Nairobi zurück sein. Sie war aber immer noch nicht da und ich konnte sie nicht erreichen, da ihr Telefon ausgeschaltet war.
    Trotzdem konnte ich den Strandnachmittag genießen, denn es war Flut und wir hatten ein paar sehr schöne Wellen. Moses war auch gut dabei, er hat mindestens genauso getobt wie die anderen Kinder. Trotzdem hat er immer auch ein Auge darauf, dass es allen gut geht und das nichts passiert. Es ist deswegen sehr angenehm mit ihm zum Strand zu gehen, da ich so nicht auf alle Kinder immer alleine aufpassen muss.
    Als wir so gegen fünf Uhr vom Strand zurückkamen, war Irene endlich auch angekommen. Mir viel ein Stein vom Herzen, da ich mir ernsthaft Sorgen gemacht habe.
    Sie war zwar am Sonntagabend noch nach Mombasa gekommen, aber es war wohl schon so spät, dass sie kein Matatu zum weiterfahren nehmen konnte. Die Kinder waren natürlich auch glücklich darüber, dass „Antie“ endlich wieder da war. Ich war auch froh über ihre Wiederankunft, da ich nun wieder ein wenig mehr Hilfe im Büro und mit der Organisation habe. Die Mamas sind nämlich keine besonders große Hilfe wenn es darum geht, etwas zu planen oder zu überlegen. Sie kommen und fragen mich nach Dingen, die sie eigentlich viel besser wissen müssten als ich. Zum Beispiel kam Mama Betty am Freitag zu mir, als es um die Planung für das Hühnchenessen am Samstagmittag ging. Sie fragte mich, wie viele Hühnchen wir wohl kaufen sollten. Ich sagte ihr, dass ich das nicht weiß, aber dass sie das doch eigentlich wissen müsste. Ich dachte mir, dass sie, da sie normalerweise auch kocht, wohl eine Ahnung haben sollte, wie viel Hühnchen wir brauchen damit alle davon satt werden. Es war aus ihr aber keine Antwort herauszubekommen.
    Das hat mich zum Nachdenken gebracht, und ich habe nun mit Irene noch einmal über die verschiedene Dinge gesprochen, über die ich auch schon mit Petra gesprochen hatte. Die Arbeit der Mamas ist nämlich nicht in allen Punkten so wie sie sein sollte. Wir werden nun also am Mittwoch eine Mitarbeiterversammlung abhalten.
    Ansonsten war der Abend dann ruhig, und wir beschlossen nun mit Roberta zusammen, dass wir Morgen mit allen nach Mombasa in den Wasserpark fahren würden.

    32. Tag (28.08)
    Heute sollte es also so gegen 09:30h mit einem gemieteten Bus nach Mombasa gehen.
    Es war aber leider nicht möglich, einen Bus aufzutreiben, da Präsident Kibaki im Moment im Distrikt Kilifi ist, und deshalb alle Busse ausgebucht waren. Wir brauchten ja auch einen 35-Sitzer. Irene konnte dann auch tatsächlich noch einen auftreiben, als der aber zum Heim kam, stellte sich heraus, dass der Bus nur 25 Sitze hatte und in einem sehr schlechten Zustand war. Alle Kinder dort herein zu quetschen wäre wirklich nicht gut und vielleicht sogar gefährlich geworden.
    Nach einigem überlegen haben wir uns dann entschlossen, mit den Kindern zu den Makuti Villas zu fahren, ein Hotel direkt in Kilifi. Dort haben wir dann einen Tag am wunderschönen Pool verbracht und zum Mittag Pizza mit Pommes gegessen.
    Es war ein super „Ferientag“ der auch den Kindern sehr viel Spaß gemacht hat.
    Am Abend gab es dann nur noch ein schnelles Spaghettiessen, denn die meisten Kinder waren sehr müde.

    33. Tag (29.08)
    Gestern Abend hatten Irene und ich überlegt, wann wir diese Woche am besten eine Mitarbeiterversammlung machen sollten. Es kam am Ende nur Heute in Frage und so legten wir das Treffen auf zwei Uhr nachmittags fest. Vorher haben Janna und ich wieder eine Deutschstunde gemacht, an denen Moses und manchmal auch die Mamas, mittlerweile teilnehmen. Am Ende der Stunde habe eine Art kleinen Test mit den Kindern gemacht. Ich habe den auch im Anschluss gleich korrigiert und zurückgegeben. Am besten Abgeschnitten haben Bahati, Tina K. und Santa.
    Nach dem Mittagessen war dann also das Staff Meeting an der Reihe. Ich war sehr froh darüber, dass wir das jetzt schon abgehalten haben, denn es gibt einige Dinge die nicht unbedingt richtig ablaufen. Meine größte Sorge war vor allem, dass einiges nicht so läuft wie sollte in den fünf Wochen in denen Irene nicht da ist.
    Ich hoffe, dass sich das jetzt geklärt hat, und wir in Irenes Abwesenheit nicht allzu große Probleme haben werden. Jetzt sind Janna und ich mit Moses und den Kindern an den Strand gegangen. Dort verbrachten wir mal wieder einen wunderschönen Nachmittag, denn es ist gerade Vollmond und deswegen steht das Wasser bei Flut sehr hoch und es gibt viele Wellen.
    Als wir zurück zum Heim kamen war es schon recht spät, und alles musste etwas schneller zugehen als gewöhnlich. Irene musste jetzt am Abend noch weg, zu einem Essen im Kilifi Bay Hotel mit einigen reichen Italienern, die sich für das Heim interessieren.
    Wir haben also die Kinder noch ins Bett gebracht und sind dann zum Haus zurückgegangen. Ich freue mich jetzt auf zwei Arbeitsfreie Tage, da wir letzte Woche, wegen Irenes Abwesenheit, keinen freien Tag gemacht haben.
  8. 34. Tag (30.08)
    Den Vormittag haben Martin, Janna und ich in der Stadt verbracht. Martin hat diverse Einkäufe gemacht, während Janna und ich die Zeit dazu genutzt haben, endlich mal wieder von uns hören zu lassen, indem wir neue Berichte abgeschickt haben und unsere Emails beantwortet haben. Als wir damit fertig waren, war es auch schon früher Nachmittag.
    Zum Mittag haben wir dann im Kilifi Arcade Cafe gegessen, hat recht gut geschmeckt aber die Bedienung wollte uns etwas mehr Geld aus der Tasche ziehen als wir laut Menü hätten bezahlen müssen. Am Abend haben wir dann im Heim gegessen. Wir hatten eigentlich geplant, Morgen zu den Gedi Ruinen und Watamu zu fahren, aber wir haben gemerkt, dass ein weiterer wirklicher Pausetag auch nicht schaden würde. Wir entschieden uns also zu einem weiteren Tag in Kilifi.

    35. Tag (31.08)
    Heute waren Janna, Martin und ich morgens erst unten am Meer, bei den Klippen. Es war gerade Ebbe und so haben wir eine ausgiebige „Wattwanderung“ gemacht, bei der wir viele Muscheln usw. gesammelt haben. Außerdem haben wir tolle Fische gesehen, darunter auch einige „Nemo“ Fische. Wir sind dann an den Klippen entlang zu dem Public Beach gelaufen, was wirklich ein schöner Spaziergang ist. Man sieht dort nämlich viele schöne Stellen mit toller Vegetation. Mittags haben wir bei uns oben im Haus gegessen, und am Nachmittag sind wir noch mal zu den Klippen gegangen, von wo aus Martin und ich dann auch baden waren.
    Am Abend haben wir im Heim gegessen. Seit einigen Tagen hatte ich nun schon ein leichtes Drücken im linken Ohr. Das hat sich heute Abend verstärkt und ich hatte über Nacht wirklich schmerzen.

    36. Tag (01.09)
    Der Vormittag im Heim lief wie gewohnt ab. Das Haus wurde gesäubert und das Mittagessen wurde von der einen Mädchenkochgruppe vorbereitet. Nachdem alles fertig war, haben sich alle Kinder und Mitarbeiter im Wohnzimmer versammelt.

    Wir haben dort zusammen gebetet, da Heute ja die Beerdigung und die Trauerfeier von Nikki ist. Nach den gemeinsamen gebeten hat jeder der im Zimmer anwesenden ein kurzes Gebet gesprochen. Wir hatten so noch einmal die Möglichkeit, mit den Kindern an Petra und Helmut zu denken und ihnen unsere guten Wünsche zu senden.

    Nach dem Mittagessen tat mein Ohr so weh, dass ich nach Hause gehen musste. Ich konnte auf dem linken Ohr nun nicht mehr allzu viel hören. Mir war das langsam echt schon ein wenig peinlich, da ich das Gefühl habe, jede Woche krank zu sein. Zuhause habe ich geschlafen und mich ausgeruht. Am Abend hat mir Janna das Essen gebracht und ich bin sehr früh ins Bett gegangen. Janna hatte gleichzeitig eine Hautirritation an der Nase, die wohl recht schmerzvoll war.

    37. Tag (02.09)
    Heute Morgen sind Janna und ich zuerst in Krankenhaus gegangen, da mein Ohr noch überhaupt nicht besser war und ihre Nase auch noch wund war. Mir wurden meine Ohren gewaschen und ich bekam Ohrentropfen verschrieben. Den Tag über ging es meinem Ohr nach der Behandlung auch schon wesentlich besser.
    Die großen Jungs sagten mir noch bevor sie in die Kirche gingen, dass sie noch Kohle kaufen müssten. Das war genau einer der Punkte, über die wir während der Mitarbeiterversammlung gesprochen haben. Die Mamas sollen dafür sorgen, dass immer genug Kohle da ist, und wenn nicht, Irene oder mir Bescheid sagen. Es ist nämlich sonst immer so, dass uns erst Bescheid gesagt wird, wenn die Kohle gebraucht wird und keine mehr da ist.
    Nach dem Mittagessen bin ich wieder nach Hause gegangen, da mein Ohr wegen des Windes wieder stärker schmerzte. Ich bin aber abends nicht sehr spät wieder zurückgegangen, weil ich nicht immer fehlen wollte. Roberta hatte für den frühen Abend eine Schnitzeljagd organisiert. Die Kinder mussten Fragen beantworten die sie immer weiter in die Nähe eines Schatzes führten. Letztendlich fanden sie diesen in der Waschmaschine. Jedes Kind bekam ein Geschenk, nur Leon bekam zwei. Ich denke. Dass wir aufpassen müssen, dass Leon nicht zu sehr verwöhnt wird. Von allen Besuchern wird er immer gehätschelt und bekommt immer eine besondere Behandlung. Gerade die Italiener beschäftigen sich viel nur mit ihm.
    Er ist der Kleinste und das ist auch in Ordnung, trotzdem ist er aber nicht besser als die anderen und er sollte nicht lernen, dass er immer alles bekommen kann.
    Das Abendbrot war von den Jungs zubereitet, es gab Mahambri mit Erbsen. Das hat sehr gut geschmeckt und die Jungs haben ein dickes lob bekommen. Als die Kinder gebetet haben, bin ich kurz ins Haus gegangen, um dort alle Lampen angeschaltet vorzufinden. Nach dem Beten habe ich den Kindern also noch einmal erzählt, dass der Strom Geld kostet und sie gefragt, ob wir im Haus Licht brauchen wenn alle draußen sind.
    Als wir am Abend nach Hause kamen, war es schon halb neun. Janna hat noch gelesen und Martin und ich haben zusammen auf der Terrasse gesessen und uns unterhalten
  9. 38. Tag (Montag, 3. 9.)

    Heute war der erste Schultag nach den Ferien für die Kinder. Sie haben sich alle gefreut wieder zur Schule zu gehen, denn auch wenn die Schule sehr lang und anstrengend ist, bereitet ihnen das Lernen sehr viel Freude.
    Vormittags müssen Valentin und ich jetzt erst gegen 10,30 Uhr ins Heim, da die Kinder, außer Leon, nicht da sind. Vormittags können wir jetzt Dinge im Haus beispielsweise reparieren, ohne, dass ständig Kinder „durch die Baustelle“ laufen oder Werkzeuge sich ausleihen und vergessen wiederzubringen. Aber das Heim wirkt immer leicht verlassen, wenn keine Kinder da sind.
    Zum Mittagessen sind alle Kinder nach Hause gekommen, nur die großen mussten zurück zur Schule. In der Mittagspause habe ich die letzten Monatsbericht-Texte geschrieben, damit Valentin die abschicken konnte.
    Nachmittags habe ich mit einigen Kindern Bilder gemalt. Ich habe nur Buntstifte und Papier verteilt, von vielen kam gleich die Frage nach Kugelschreibern und Radiergummis. Mit der Zeit haben sich immer mehr Kinder mit zum Malen hingesetzt. Mir ist aufgefallen, dass viele Kinder gar nicht wissen, was sie malen oder zeichnen könnten. Ich habe auch ein Bild gemalt, dass hat Willy denn gleich kopiert, als er damit fertig war, hat er doch noch etwas eigenes in das Bild gebracht, sodass es denn keine Kopie mehr war.
    Am späten Nachmittag ist Baraka, ein kleiner Junge, zu uns ins Heim gezogen. Er ist etwa so groß wie Leon, spricht aber kein Kisuaheli oder Englisch, nur Giriama. Aus diesem Grund können Leon und er nicht miteinander sprechen, trotzdem hat Leon Baraka gleich an die Hand genommen und ihm seine Spielsachen gezeigt.
    Shuku ist die „große Schwester“ von Baraka, da sie aber schon Schwester von Tina K. und Tina Olli ist, sollen beide Tinas ihr ein wenig helfen. Die Mädchen haben nach dem Abendessen Baraka noch sehr gründlich gewaschen und ihm frische Kleider angezogen.
    Ich denke, dass Baraka sehr schnell Kisuaheli und bestimmt auch Englisch lernen wird, da er noch recht klein ist.

    39. Tag (Dienstag, 4. 9.)

    Als wir heute Vormittag ins Heim gegangen sind, haben Leon und Baraka sehr schön mit einander gespielt. Sie verstehen sich richtig gut und ich denke, dass es für Leon sehr wichtig ist, einen gleichaltrigen Spielkameraden zu haben. Außerdem ist er jetzt vormittags nicht mehr allein mit den Mamas.
    Ich hatte Mary versprochen, ihre Matratze kleiner zu machen, denn sie ist neu und etwas zu lang fürs Bett gewesen. Ich war gerade dabei, den Bezug wieder zu zunähen, als die Nachricht kam, dass nachmittags die NGO-Kontrolle durchgeführt wird. Wir wussten, dass sie zwischen dem 3. und 8. September durchgeführt werden sollte, aber es brach dann doch eine kleine Panik aus, ob alles in Ordnung ist. Der Kontrolleur, es war nur einer, hatte eigentlich nichts zu bemängeln, nicht mal an unserer Außenküche hatte er etwas auszusetzen.
    Valentin und Moses haben die Öfen von Petra und Helmuts Haus und vom Heim umgetauscht, weil der Ofen im Heim nicht mehr funktionierte. Wir haben jetzt wieder einen Ofen zum Kuchenbacken!
    Am Abend haben Roberta und ihre Freunde für uns ein italienisches Dinner zubereitet, weil am nächsten Tag drei der Freunde abreisen mussten. Leider kamen sie erst sehr spät, und es mussten dann noch Nudeln gekocht werden. Also haben wir später gegessen als je zuvor und nach dem Essen gab es noch Geschenke für die Kinder (Rucksäcke) und zwei Fahrräder.
    Am Abend kamen auch noch Handwerker, die drei Betten aufgestockt haben. Wir haben jetzt im Jungenzimmer zwei dreistöckige Betten und im Zimmer der großen Mädchen ebenfalls eins.
    Das erstaunliche an diesen Betten war, dass sie vor vier Wochen bestellt und bezahlt worden sind. Irene musste den Tischler aber erst zur Polizei schleppen, bis er mal mit der Arbeit angefangen hat. Aber jetzt sind sie da und wir müssen jetzt nur noch Matratzen kaufen.

    40. Tag (Mittwoch, 5. 9.)

    Heute hatte Fridah Geburtstag. Wir wollten den Geburtstag vor dem Abendessen feiern, da die Kinder die letzten Tage immer erst sehr spät ins Bett gegangen sind. Zum Essen waren auch die Mitglieder der Prüfungskommission der NGO eingeladen. Sie sollten auch mitbekommen, wie hier die Geburtstage der Kinder gefeiert werden. Irene hat ihnen auch noch mal das Haus gezeigt (am Tag vorher war nur ein Prüfer da).
    Roberta kam auch noch dazu, und brachte noch einige Sachen mit, darunter ein Geburtstagsgeschenk für Fridah und einige Faschingskostüme, die auch einige Kinder gleich anziehen durften. Ich glaube, für Fridah war es ein wenig enttäuschend, dass die Kostüme gleich ausprobiert wurden, denn wir wollten gerade den Kuchen raus getragen, aber dann war sie fast vergessen, weil alle die Kostüme angeschaut haben. Einige Zeit später haben wir es aber doch geschafft ihren Geburtstag zu zelebrieren.
    Eigentlich laufen alle Geburtstage gleich ab, aber trotzdem macht es immer wieder viel Spaß, da immer andere Sachen passieren, der Kuchen immer anders aussieht und immer anders geschnitten wird.
    Danach haben wir gegessen, es gab Hühnchen mit Reis – mal wieder super lecker...
    Die NGO-Prüfer waren sehr angetan von den Kindern und vom Heim und haben nach dem Beten der Kinder noch jeder einige Worte an uns gerichtet. Insgesamt haben sie sich sehr über die Einladung gefreut und waren sehr lange da.

    41. Tag (Donnerstag, 6. 9.)

    Die Vormittage im Heim sind immer noch etwas ungewohnt. Sie sind nicht so wie sonntags, wenn alle Kinder und die Staff in der Kirche sind und man das Mittagessen vorbereiten kann. Alle Mitarbeiter sind am arbeiten, nur die Kinder fehlen. Aber die Kindergarten-Kinder kommen relativ früh nach Hause und beleben das Heim. Zum Mittagessen kommen dann alle Kinder.
    Heute hat Roberta die Matratzen für die neuen Betten gekauft. Die Jungs mussten die Betten neu verteilen, jeder hat jetzt ein eigenes Bett und ich glaube alle sind jetzt richtig zufrieden. Ich hoffe, dass sie alle gut schlafen können.
    Mit Brian hatten wir heute leider etwas Probleme. Er erzählt öfter mal die Unwahrheit, ärgert andere und macht nicht das, was man ihm sagt. Da er häufig ins Bett macht, muss er vor dem Essen sein Bett machen. Er vergisst es eigentlich immer, auch wenn man ihn daran erinnert. In den letzten Tagen waren mehrmals nicht gewaschene Kleidungsstücke auf der Wäscheleine. Fragt man ihn warum, sagt er, dass irgendjemand seine Sachen von der Waschmaschine (vor dem Waschen) zur Leine bringt. Ich hoffe, dass diese „Geschichtenerzähl-Phase“ bald vorbei geht. Eigentlich ist er nämlich ein sehr cleverer Junge, der es nicht nötig hätte sich solche Geschichten auszudenken.
    Leon und Baraka verstehen sich nach wie vor sehr gut, und Baraka redet relativ viel – ich verstehe natürlich gar nichts, aber seine Stimme ist sehr lustig.

    42. Tag (Freitag, 7. 9.)

    Eigentlich hatten Valentin und ich unseren freien Tag, wir wollten in Kilifi einige Dinge einkaufen gehen. Noch zu Hause bekamen wir von Petra eine SMS, dass wir mal unsere E-Mails lesen sollten. Da gestern das Internet im Heim kurz funktioniert hat, wollten wir ausprobieren, ob es heute funktioniert, es geht da viel schneller, als im Internet-Café in Kilifi.
    Wir haben also einen kurzen Abstecher ins Heim gemacht. Wir kamen gerade zur richtigen Zeit, um dabei zu sein, wie Maria ihr kleines Ziegenbaby zur Welt brachte. Das Zicklein ist wohl auf und es konnte schon nach kurzer Zeit stehen.
    Den restlichen Tag haben wir „frei“ gemacht.

    43. Tag (Samstag, 8. 9.)

    Da Martin heute Geburtstag hatte, haben wir den Tag mit einem netten ausgiebigen Geburtstags-Frühstück begonnen.
  10. 43. Tag (Samstag, 8. 9.)

    Da Martin heute Geburtstag hatte, haben wir den Tag mit einem netten Geburtstags-Frühstück begonnen.
    Eigentlich wollten wir mit den Kindern heute eine Deutschstunde machen, aber es sollten Besucher kommen, deshalb war es nicht möglich. Uns hatte leider keiner vorher gesagt, dass Mitarbeiter des Roten Kreuzes kommen würden, deshalb haben wir gestaunt, als hier ca. 20 Menschen auftauchten, und begannen, verschiedene Sachen aufzubauen, zu kochen und mit den Kindern zu sprechen (mit Megafon) und Spiele zu machen.
    Die Kinder hatten sehr viel Spaß und haben auch einen kleinen Erste Hilfe-Kurs gemacht. Geübt wurde die Situation, dass ein Kind (Kennedy) vom Baum gefallen war und eine Wunde am Bein hatte. Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes hatten Kennedy mit Kunstblut eine richtig schlimme Wunde gezaubert. Tuma bekam so große Angst um Kennedy, da sie dachte die Wunde währe echt, dass sie anfing zu schreien und zu weinen.
    Am Ende des Besuches gab es vom Roten Kreuz ein gekochtes Essen und für die Kinder Soda.
    Für das Abendessen hatte Martin Fisch gekauft, dazu gab es Reis. Danach haben wir seinen Geburtstag zelebriert. Wir hatten alle sehr viel Spaß.

    44. Tag (Sonntag, 9. 9.)

    Ich bin heute Morgen alleine ins Heim gegangen, etwas früher als sonst, denn wir haben Besucher erwartet. Als ich angekommen bin, waren die Kinder noch gar nicht für die Kirche angezogen, auch die kleineren Kinder waren noch nicht in der Kirche zur Sonntagsschule. Auf meine Frage, ob alle denn fertig wären, bekam ich ein „yes“ zu hören. Ich habe mich etwas gewundert. Aber es machte auch keiner Anstalten in die Kirche zu gehen, also fragte ich noch mal, ob heute denn keine Kirche sei, Mama Edith antwortete mir, dass heute Kirche sei. Aber sie hat mir nicht gesagt, dass alle auf die Besucher warten. Das bekam ich erst nach weiteren „nachbohren“ heraus. Als dann die Besucher ankamen, sollten sie erst noch frühstücken, bevor sie mit den Kindern und den Mamas in die Kirche gingen. Langsam fingen dann auch die Kinder an, sic für die Kirche umzuziehen. Plötzlich waren alle, wie jeden Sonntag, sehr schön angezogen und alle konnten in die Kirche gehen.
    Als ich gerade dachte, dass ich jetzt in Ruhe die Eier für das Mittagessen kochen könnte, kamen noch mal Besucher, diesmal aus Nairobi. Sie wollten die Kinder sehen, denn sie waren schon einmal vor ca. zwei Jahren hier. Leider waren jetzt alle Kinder in der Kirche – schade.
    Eigentlich kommen jeden Sonntagvormittag Besucher, wenn die Kinder nicht da sind, vielleicht sollten wir mal ein Schild an das Tor hängen, auf dem die Besuchszeiten vermerkt sind...
    (Janna)

    Valentins Berichte:
    45. Tag (10.09.)
    Ab heute bin ich nun wieder dran zu schreiben. Am Morgen war das Kinderheim, wie immer in der Schulzeit, sehr still und ruhig. Ich habe erstmal ein wenig Büroarbeit gemacht und dann habe ich die Holzumrandung um den Gully neben dem Küchenhaus wieder repariert. Der eine Pfosten war nämlich mittlerweile ganz vergammelt, und von dem anderen Pfosten war nicht mehr allzu viel übrig. Im Laufe des Vormittags kamen auch Besucher aus Mombasa, von einer Friseurinnenschule. Die haben einige Lebensmittel mitgebracht und dann das ganze Haus für uns geputzt und gereinigt. Als die Kinder so nach und nach alle aus der Schule wiederkamen, sind wir mit den Besuchern und den kleinen Kindern zusammen zu den Klippen nahe der Chambai gegangen. Die Jungs, vor allem Brian und Willy, haben mit großem Eifer Krebse gejagt. Tatsächlich haben sie auch einen erlegen können, aber der hätte nicht für eine Person zum Abendessen gereicht. Als die Kinder alle geduscht waren und am Abendbrottisch saßen, sind Martin, Moses, Janna und ich zum Kilifi Members Club gegangen. Martin hat uns nämlich dort noch einmal zum Essen eingeladen. Der Members Club ist sehr schön am Eingang vom Creek gelegen und ist sehr gut ausgestattet. Preislich ist er noch etwas günstiger zum Essen als die Chambai, aber hundert Mal schöner mit viel besserem Service. Das ist ab jetzt mein Lieblingslokal.

    46. Tag (11.09.)
    Heute brach nun Martins letzter Tag an. Am Vormittag habe ich erstmal das Hochbett von den Mamas repariert. Die Mamas hatten sich nämlich beschwert, dass das obere Bett immerzu absackt. Also habe ich mir das Ganze erst einmal angeschaut und gesehen, das die Leisten die den Lattenrost halten, viel zu schmal sind. Ich habe dickere Leisten auf die alten gesetzt und das Bett kann nun wieder einiges aushalten. Am Nachmittag sind Martin, Janna und ich noch mal nach Kilifi rein gefahren. Martin hat Hühnerfutter bezahlt und Janna hat neue Champali für Baraka gekauft. Als wir zurück im Heim waren, stellte sich aber heraus, dass die Champali (=Latschen) für Baraka zu klein waren. Janna ist mit Baraka zurück in die Stadt gegangen, um die Schuhe umzutauschen. Es war das erste Mal für Baraka, dass er in Kilifi in der Stadt war. Am Abend gab es zum zweiten Mal Ugali (= Maisbrei, der in Kenia sehr viel gegessen wird) an diesem Tag, Irene war ja aus Mombasa noch nicht wieder da. Ich habe mit den Mamas reden müssen, denn eigentlich hatten wir gerade auf der Mitarbeiterversammlung besprochen, dass es nicht zweimal am Tag Ugali zum Essen geben soll.
    Nach dem Abendessen haben die Kinder für Martin zum Abschied noch einige Lieder gesungen und sich dann einzeln von ihm verabschiedet.

    47. Tag (12.09.)
    Suleyman ist um sechs Uhr morgens gekommen, um Martin abzuholen. Janna ist mitgefahren, um auf dem Rückweg noch einige Besorgungen im Nakumatt zu machen. Ich war dann am Vormittag alleine, und bin mit Moses in die Stadt gegangen. Wir haben ein paar Bündel neues Holz gekauft, um den Zaun, der um den Kochbereich im Küchenhaus herum ist, zu reparieren. Dort waren so viele und so große Löcher, dass Maria immer ihren Kopf hereingesteckt hat und von dem fertigen Essen gestohlen hat. Am Nachmittag war Janna damit beschäftigt, sich um die Wäsche zu kümmern, während ich im Büro gearbeitet habe.
    Nach dem Abendessen war es mal wieder so, dass einige Kinder noch nicht ihre Wäsche von der Leine hereingeholt hatten. Das kommt fast jeden Abend vor. Ich habe alle Kinder im Küchenhaus versammelt und ihnen gesagt, dass es so nicht weitergehen kann. Es gibt nun eine neue Regel: wenn ein Kind nach dem Abendessen noch nicht nach seiner Wäsche geschaut hat, bekommen alle eine Bestrafung. Es tat mir echt leid, so mit den Kindern zu reden, aber wir haben es auf allen anderen Wegen versucht. Es macht auch einfach keinen Spaß, jeden Abend die Kinder an ihre Wäsche zu erinnern. Die Kleineren könne natürlich noch nicht so wirklich daran denken, aber da habe ich die großen Geschwister ermahnt, besser darauf acht zu geben. Janna und ich hatten am Montag auch noch etwas anderes eingeführt, nämlich ein Liste an jedem der Kinderzimmer. Wenn das Licht in einem der Zimmer an ist, bekommt das jeweilige Zimmer auf seiner Liste einen Strich. Welches Zimmer nach einer Woche die meisten Striche hat, bekommt eine Bestrafung. Man kann diese Dinge den Kindern nämlich noch so häufig auf nette Weise sagen, es wird nicht darauf geachtet. Seitdem wir diese Liste eingeführt haben, waren die Lichter immer aus. Nach der Besprechung im Küchenhaus habe ich den Kindern die wollten, im Wohnzimmer noch etwas vorgelesen.

    48. Tag (13.09)
    Alles nimmt seinen gewohnten Lauf bei uns im Heim. Während der Vormittage sind nur Leon und Baraka hier. Die beiden verstehen sich aber mittlerweile sehr gut und spielen sehr selbstständig. Die Mamas haben natürlich gekocht und so weit nichts anderes zu tun ist, helfen Janna und ich ihnen. Janna hatte aber heute mal wieder sehr viel mit der Wäsche zu tun. Sie ist damit manchmal den ganzen Vormittag beschäftigt.
    Nach der Schule, wenn die kleineren Kinder alle das sind, üben die Mädchen im Moment Fahrradfahren auf den Fahrrädern die sie von den Italienern geschenkt bekommen haben.
    Die Jungs helfen den Mädchen Fahrradfahren zu lernen. Vor allem Willi und Brian sind da sehr beflissen.
    Am Abend gab es dementsprechend bei einigen Mädchen kleinere Kratzer an den Beinen. Tuma, Esther und Tina Olli sind beim üben am öftesten hingefallen. Janna und ich haben also einiges an Pflastern verteilen müssen. Außerdem hatte Baraka ein kleine Schürfstelle von seinen neuen Schuhen an seinem linken Fuß. Wir wollten ihm ein bisschen Antiseptikum und ein Pflaster auf die Stelle machen. Sobald Baraka aber im Office war und gesehen hat, dass wir etwas auf seine Wunde tröpfeln wollten, hat er angefangen zu schrein als wollten wir ihn abstechen. Er hatte eine riesige Angst vor der Behandlung. Mama Grace und Mama Betty mussten ihn festhalten, während Janna und ich seinen Fuß verarztet haben. Baraka hat währenddessen unaufhörlich geschrieen, so dass alle anderen Kinder um das Büro herumstanden und zugeschaut haben. Nach der ganzen Prozedur war Baraka vom Heulen so erschöpft, dass ihn die Mamas nur noch ins Bett getragen haben, wo er sofort eingeschlafen ist. Irgendwie haben fast alle Kenianer tierische Angst vor jedweder Medizin.

    49. Tag (14.09)
    Heute war mal wieder unser freier Tag, und wir hatten uns vorgenommen zum Haller Park zu fahren. Wir sind also schon um sechs Uhr aufgestanden und waren tatsächlich um 8:30 am Eingang vom Park. Die Straße von Kilifi nach Mombasa wurde vor ca. einer Woche repariert, da ja Kibaki im Kilifi District unterwegs war.
    Janna und ich haben einen sehr schönen Tag im Park verbracht und sind danach noch zum Nakumatt gegangen. Der Rückweg verlief auch glatt und zum Abendessen haben wir uns noch etwas zu Hause gekocht. Ich hatte nämlich vor ein paar Tagen zwei kleine Jikos (= Holzkohlegrill, der in Kenia überall zum Kochen benutzt wird) für unser Haus gekauft.

    50. Tag (15.09.)
    Heute war mal wieder die Mama da, die unseren Mädchen immer die Haare flechtet. Die meisten der Mädchen haben also im Laufe des Tages ihre Haare neu gemacht bekommen. Für ein Deutschstunde, die ja eigentlich auf Samstags festgelegt war, war mal wieder keine Zeit. Die Mädchen, die nicht gerade mit ihren Haaren beschäftigt waren, mussten Kochen und nach dem Essen sind die Taekwondo-Kinder wieder zum Training gegangen. Außerdem hatten einige der großen Mädchen heute Schule. Nach dem Mittagessen ist Sören gekommen. Er ist Amerikaner und Volontär beim US-Peacecorps. Er ist seit zweieinhalb Jahren in Kilifi und kommt wohl seit ca. einem halben Jahr ins Heim. Er macht mit den Kindern eine Art Malstunde. Er bringt ihnen Zeichnen bei und macht das auch ganz gut, da er selber Hobbymaler ist. Einige der Kinder hatten also eine Zeichenstunde, während die anderen mit ihren Haaren oder der Küche beschäftigt waren.
    Nachdem Sören wieder weg war, haben einige Kinder Briefe an ihre Paten geschrieben. Das hat eine ganze Weil gedauert und ich hatte einige Zeit damit zu tun, ihnen zu helfen und darauf aufzupassen, dass sie nicht ihre Sticker überall auf den Brief kleben, manche, z.B. Pendo, haben nämlich Sticker sogar über das Geschriebene geklebt.
    Nach dem Briefe schreiben war es Zeit fürs Abendessen und dann fürs Beten und ins Bett gehen.

    51. Tag (16.09)
    Janna und ich hatten uns vorgenommen heute für die Kinder einen Obstsalat zu machen. Wir sind also noch bevor wir ins Heim gegangen sind, zum Markt gegangen um einzukaufen. Wir haben Ananas, Passionsfrüchte, eine Melone, Orangen und Bananen gekauft. Das Ganze waren ca. 15 Kilo Obst, für die wir 515 Ksh bezahlt haben. Als wir vom Einkaufen zurückkamen, war es kurz vor zehn. Einige größeren Kinder waren noch nicht zur Kirche gegangen. In diesem Moment kamen überraschender Weise auch Besucher. Es stellte sich heraus, dass es die Paten von Leon und Celina waren. Wir hatten sie erst Morgen erwartet, zu Celinas Geburtstag. Sie wollten auch eigentlich so kommen, dass alle Kinder in der Kirche sind. Als sie aber kamen waren eben noch einige da, darunter auch Celina. Sie brachten einiges an Geschenken mit, die wir an die Kinder nach dem Mittagessen verteilten. Janna und ich erhielten von den Besuchern ein Körnerbrot und Mettgut und Leberwurst aus Deutschland. Darüber haben wir uns sehr gefreut, denn das „Brot“ (an zweiter Zutatenstelle Zucker) ist auf die Dauer echt nicht besonders lecker. Wir konnten uns jetzt nicht so sehr um die beiden Besucher kümmern, da wir den Obstsalat vorbereiten mussten. Nach dem Mittagessen und nach dem Geschenke verteilen habe ich mit den Jungs zusammen gekocht, während Janna sich um die Besucher kümmerte und ihnen auch die Chambai Sea Lodge zeigte.
    Unsere Besucher verließen uns so gegen fünf Uhr um Morgen zu Celinas Geburtstag wiederzukommen. Der Abend verlief ganz normal. Einiges an Vorbereitungen für die Schule mussten die Kinder noch erledigen. Nach dem Abendessen wurde wie gewohnt gebetet und danach sind die Kleinen auch schon ins Bett gegangen.
    (valentin)

    der rest von janna:
    52. Tag (Montag, 17. 9.)

    Bereits in den letzten Tagen war Tuma erkältet und hatte Kopfschmerzen, als wir aber heute im Waisenheim ankamen, hatte sie auch noch einen starken Husten. Ich war mir etwas unsicher, was ich machen sollte, wir hatten auch keinen Hustensaft mehr im Haus. Die Mamas sagten, dass ich mit ins Krankenhaus gehen sollte. Also habe ich kurze Zeit später ein Tuktuk gerufen und wir sind zum Krankenhaus gefahren.
    Der Tuktuk-Fahrer war ein Freund von Moses und immer, wenn wir ihn als Fahrer rufen, darf er eine Runde ums Haus fahren, bevor wir losfahren. Heute durfte Moses sogar das Tuktuk ein Stück auf der Straße fahren.
    Im Krankenhaus musste Tuma einen Malaria-Test aufgrund ihrer Kopfschmerzen machen. Sie hat eine leichte Malaria, Irene sagt jedoch, dass alle Kinder im Heim immer etwas Malaria im Blut hätten. Also kein Grund zur Sorge. Außerdem hat Tuma Hustensaft und Antibiotika bekommen.
    Celina hatte heute Geburtstag, aus diesem Grund sind ihre Paten gerade jetzt gekommen. Da Celinas Paten auch die Paten von Leon sind, durften heute die beiden Kinder mit Mama Grace und den Paten einkaufen gehe. Beide sind neu eingekleidet worden, Celina hat jetzt mal etwas feminines zum Anziehen! Leon und Celina haben, als sie zurück waren, stolz ihre neuen Sachen präsentiert.
    Zum Abendessen gab es Chicken, spendiert von den Paten – immer wieder sehr lecker.
    Nach dem Essen haben wir Celinas Geburtstag gefeiert, sie hat Fußballschuhe, Strümpfe und Schienbeinschoner bekommen. Sie hat sich sehr gefreut und alle anderen mit ihr mit.
    Das ist wirklich schön hier, dass sich alle Kinder gemeinsam über die Geburtstagsgeschenke freuen und niemand eifersüchtig ist.

    53. Tag (Dienstag, 18. 9.)

    Tuma geht es wieder besser, sie war heute auch schon wieder in der Schule. Sie hustet zwar noch, aber es klingt schon wieder etwas besser. Dafür geht es jetzt aber Mama Edith schlecht, sie hat einen starken Schnupfen und hustet ebenfalls. Auch einige der anderen Kinder haben leichte Erkältungen. Ich glaube es liegt am Wetter, denn es ist jetzt wirklich sehr trocken und heiß, und man möchte sich immer in den Wind setzen, um sich etwas abzukühlen. Dabei kann man sich leicht erkälten.
    Celina und Leons Paten haben ein Spiel für die Kinder mitgebracht. Es besteht aus einem Holzwürfel mit sechs Löchern, durch Würfeln muss jeder Mitspieler versuchen, seine Holzstäbchen in diese Löcher zu stecken, bis er keine mehr hat. Dieses Spiel wird von den Kindern jetzt sehr viel gespielt, aber nicht nur sie finden es toll, auch größeren Menschen bringt es sehr viel Spaß. Moses Valentin und ich haben nach dem Mittagessen eine Stunde lang gespielt. Um ehrlich zu sein habe ich am häufigsten gewonnen.
    Die größeren Jungs (Sunday, Fadhilli, Kennedy, Willy und Brian) waren heute zum ersten mal nach den Ferien wieder beim Fußball-Training. Sie sind aber erst spät nach Hause gekommen. Alle anderen haben mit dem Beten auf sie gewartet, bis sie geduscht und etwas gegessen hatten. Deshalb waren die Kinder heute relativ spät im Bett.
    Leon hatte heute mal wieder seine Zahnbürste verloren, wir haben sie ewig gesucht und er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wo er sie zuletzt gehabt hatte. Am Ende hat Valentin sie in seinem neuen Rucksack gefunden, der aber bereits von Tuma und Tina Olli mehrmals durchsucht worden war.
    Langsam vergessen die Kinder wieder ihre Wäsche vor dem Abendessen von der Wäscheleine abzunehmen. Das ist schade, denn die ersten Tage hatte es so gut geklappt. Jedoch ist es auch schwieriger, denn fats alle Jungs gehen kurz nach Schulschluss zum Fußball und kommen erst nach dem Abendessen wieder. Dafür müssen wir wohl noch eine Regelung finden. Aber insgesamt funktioniert es besser, als vor der neuen Regelung.
  11. 54. Tag (Mittwoch, 19. 9.) Janna

    Heute mussten die Schüler der 2. Klasse (Queeni, Celina, Brian und Fridah) nach dem Mittagessen nicht wieder zur Schule, da der Lehrer krank war.
    Am späten Nachmittag ist der Strom ausgefallen. Wir haben deshalb recht früh gegessen, um die letzte Helligkeit des Tages auszunutzen. Nach dem Essen mussten sich die Kinder umziehen, im Haus war es aber schon richtig dunkel. Für den Fall, dass wir abends keinen Strom haben, gibt es hier zwei Laternen. Es sind aber drei Schlafräume, also eine Lampe zu wenig. Also haben sich die Kinder abgewechselt mit dem Licht, nur die großen Mädchen mussten die ganze Zeit über ein Licht im Zimmer haben. Als keiner mehr im Zimmer war, dachte ich dass ich die Lampe nach draußen zu den Abwäschern bringen könnte.
    Kaum war ich draußen, fragte mich Shuku, ob ich wohl die Lampe aus ihrem Zimmer genommen hätte, ich antwortete ihr, dass ich sie genommen habe, da keiner mehr im Zimmer war. Also musste draußen im Dunklen abgewaschen werden, da sich die großen Mädchen nicht richtig organisieren können.
    In den nächsten Tagen müssen wir noch ein oder zwei neue Lampen kaufen, denn ich denke, solche Stromausfälle sind nicht so selten hier.

    55. Tag (Donnerstag, 20. 9.)

    Heute war ein Tag über den mir nichts einfällt, was ich schreiben könnte. Es ist nichts passiert, alles war normal.

    56. Tag (Freitag, 21. 9.)

    Wir hatten heute unseren freien Tag. Vormittags waren wir in Kilifi und haben einige Sachen eingekauft und waren im Internet-Café. Nachmittags haben wir Rita besucht. Sie war vor ca. zwei Wochen bei uns im Heim zu besuch und hatte uns eingeladen, sie einmal zu besuchen.

    57. Tag (Samstag, 22. 9.)

    Heute war Irenes letzter Tag, sie wirkte gar nicht aufgeregt oder nervös, obwohl sie morgen nach Deutschland fliegt. Nach dem Mittagessen sind einige Angestellte und der Manager der Barclays-Bank in Kilifi gekommen. Sie haben sich das Heim angesehen und einige Lebensmittel mitgebracht. U. a. hatten sie Kekse und Soda mitgebracht. Als alle Kinder Getränke bekommen hatten, haben auch alle Mitarbeiter etwas bekommen, nur für mich war nichts mehr da. Bevor sie gegangen sind haben die Barclays-Bank-Mitarbeiter den Kindern noch etwas vorgesungen, sozusagen als Gegenleistung zu dem Gesang der Kinder. Es war sehr lustig, alle hatten viel Spaß.
    Den ganzen Tag über wurden Sachen für den Trip am nächsten Tag vorbereitet. Eigentlich wollten wir am Abend noch eine kleine Abschiedsfeier für Irene machen, aber leider fiel am Nachmittag der Strom aus, die Party war deshalb nicht so groß.

    58. Tag (Sonntag, 23. 9.)

    Am Morgen sind alle Kinder, und wir natürlich auch, sehr früh aufgestanden (so gegen 3 Uhr morgens) um Irene zum Flughafen zu bringen und auf dem Rückweg in den Pirates-Club zu gehen.
    Leider konnte Mama Edith nicht mitkommen, da ihr Vater sehr krank war und sie zu ihm musste.
    Auf der Fahrt zum Flughafen waren die Kinder erstaunlich wach, alle haben sehr laut viele verschiedene Lieder gesungen, nur Leon hat geschlafen. Langsam war Irene doch etwas aufgeregt und bestimmt sehr gespannt auf das, was sie in Deutschland erwarten würde.
    Nach nur einer Stunde Fahrt (die Straße nach Kilifi ist immer noch gut!) haben wir den Flughafen in Mombasa erreicht.
    Wir haben Irene alle verabschiedet, was natürlich sehr traurig war und wobei die ein oder andere Träne geflossen ist, dann verschwand sie auch schon hinter dem Security-Check.
    Wir haben dann noch eine Weile Flugzeuge angeschaut, aber wir konnten Irenes Maschine nicht sehen.
    Anschließend sind wir mit dem Bus zu einem Strand in der Nähe von Mombasa gefahren. An diesem Strand liegt der Pirates-Club. Dort gibt es einen Pool für Kinder und zwei große Wasserrutschen. Leider war eine davon kaputt. Am Anfang gelang es fast keinem der Kinder die ganze Rutsche runter zu rutschen, ohne „sitzen zu bleiben“. Gerade bei einigen Mädchen lag es aber auch an der Badebekleidung, denn einige haben zum Baden einen Badeanzug, eine Unterhose und eine kurze, enge Hose an – damit kann man natürlich fast nicht rutschen. Nach einiger Zeit sind aber einige der Kinder, vor allem die Jungs, Santa, Tina K. und Bahati, richtig schön schnell gerutscht.
    Unser Mittagessen haben wir in unserem Bus eingenommen, es gab Chicken-Pilau und Salat. Um das köstliche Essen zuzubereiten hat Mama Betty ihre Nacht in der Küche zugebracht.
    Danach sind wir noch mal für einige Zeit in den Pool gegangen, bzw. Kennedy, Valentin und ich waren im Meer schwimmen. Am Strand und im Pirates-Club waren nur Afrikaner, keine weißen Touristen.
    Mit der Zeit wurden alle müde, vor allem die Mamas, die immer wieder im Sitzen einschliefen.
    Auf dem Rückweg im Bus sind dann die meisten Kinder auch eingeschlafen, es gab also auch keinen Gesang.
    Mama Betty hat Valentin und mir mitgeteilt, dass sich keine der Mamas mehr in die Küche stellen wird, um zu kochen, weil sie zu müde und zu erschöpft sind. Also mussten wir schnell ein Abendessen planen, da die Kinder ja noch etwas essen mussten, bevor sie ins Bett gehen. Wir haben dann beschlossen, dass wir Brot und Bananen, wie sonst sonntags zum Mittag, essen.
    Mit dem Milchmann hatten wir abgesprochen, dass er erst abends die Milch bringen sollte, da wir Vormittags ja nicht da waren. Aber irgendwie kam er nicht und alle wollten ins Bett gehen. Ich habe dann die Mamas ins Bett geschickt (sie haben vor den Kindern geschlafen!), mich dann um die Kinder gekümmert, dass die auch ins Bett gehen, denn die waren plötzlich wieder munter. Dann habe ich auf den Milchmann gewartet, er kam dann auch irgendwann, die Milch abgekocht und dann bin ich auch nach Hause und ins Bett gegangen. Es war insgesamt ein sehr langer Tag, etwas traurig, aber trotzdem sehr schön.

    59. Tag (24.09)- 66. Tag (30.09) valentin
    Es ist nun schon die zweite Woche in der Irene nicht da ist. Eigentlich läuft alles ganz gut. Die Kinder sind nicht aufgedrehter als sonst und sie benehmen sich auch wirklich gut. Am Montag ist Steve an einer etwas ernsteren Malaria erkrankt und deshalb ist er für zwei Tage nicht zur Arbeit gekommen. Er war aber auch sofort beim Arzt und hat Tabletten bekommen. Am Mittwoch war er dann wieder da.
    Die Woche über war an jedem Tag am Abend auch Fußballtraining. Dort gehen Sunde, Kennedy, Fadhili, Willi und Brian hin. Ihnen scheint es viel Freude zu bereiten. Die Jungs kommen dann aber abends erst recht spät nach Hause, so dass sich die ganze Prozedur mit dem Beten und dem Duschen usw. etwas verspätet. Die Mädchen gehen immer noch zum Taekwondo und werden demnächst auch Uniformen brauchen, die wir hier kaufen müssen, denn sie werden sich für die nächsten Gürtel qualifizieren. Dafür ist es Vorschrift eine eigene Uniform zu besitzen.
    Am Dienstagabend war totaler Stromausfall. Wir hatten aber zum Glück ein paar Tage vorher zwei neue Öllampen gekauft, so dass wir jetzt insgesamt vier haben. Das reicht dann ganz gut, da auch einige Kinder Taschenlampen haben und außerdem benutzen wir in so einem Fall auch Kerzen. Zu kaufen gibt es aber hier leider nur so ganz dünne Kerzen, diese halten nicht besonders lange.
    Janna ist recht viel tagsüber mit der Wäsche beschäftigt, die uns immer wieder Probleme bereitet. Bei so vielen Kindern, darunter auch sehr klein, ist das aber eigentlich kein Wunder.
    Es gibt auch durchgehend einiges an kleineren Reparaturarbeiten. Am Dienstag habe ich die Umzäunung um den großen Gulli repariert. Dieser Holzzaun war mittlerweile schon recht kaputt und dadurch werden die zementierten Ränder immer weiter abgebrochen, nicht absichtlich aber einfach dadurch, dass immer mal jemand da drauf läuft. Im Mädchenzimmer war die Fassund der Glühbirne gebrochen, so dass ich sie ersetzen musste. Mit Moses zusammen habe ich in dieser Woche auch endlich den Kompost repariert, so dass dieser jetzt wieder ordentlich steht.
    Wir haben auch acht kleine, süße Entenküken seit ein paar Tagen. Die sind gerade frisch geschlüpft und es scheint ihnen ganz gut zu gehen. Kleine Hühner haben wir auch dauernd, aber davon sterben relativ viele und es schaffen längst nicht alle groß zu werden. Kleine Enten haben wir hier seltener, da die Enten eine längere Brutzeit haben.
    Fadhili ist derjenige, der sich um die Enten kümmert. Er macht das sehr gut und redet auch immer von seinen Enten. Während der Woche kümmern sich Moses, Steve und ich natürlich um die Tiere, da die Jungs keine Zeit haben. Es macht den großen Jungs aber Spaß sich um die Tiere kümmern zu können. Sunde ist für die Hunde zuständig und Willy für die Hühner.
    Am Samstag waren die Jungs mit Moses und mir am Strand. Es war recht windig, so dass wir die Drachen, die die Kinder hier haben, steigen lassen konnten.
    Wir waren natürlich auch schwimmen, was wirklich gut war wegen der Flut und den dadurch entstehenden Wellen.
    Am Abend haben wir dann endlich mal wieder einen Film geschaut. Helmut hat uns ja netterweise seinen Beamer und Boxen hier gelassen. Um den Film draußen anzuschauen, war es aber etwas zu kalt und zu windig. Wir waren also wieder alle im Wohnzimmer.
    Wir haben einen Zeichentrickfilm geschaut, worüber nicht alle Mädchen glücklich waren. Sie haben mir am Ende gesagt, dass sie Trickfilme nicht so gerne mögen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie das nächste Mal den Film aussuchen können, den wir schauen wollen.
    Für Zaituni, Tina und Santa müßen wir Teakwando Anzüge kaufen, bezahlen doch nicht alles! Einer kostet 3000ksh!
    Zum Schluss noch etwas witziges, was ich vergessen habe zu erzählen. Wir bekommen oft von Besuchern Süßigkeiten. An manchen Tagen verteilen Janna und ich dann welche, so dass jedes Kind etwas bekommt. Als ich einmal im Office saß, um zu schreiben, kam Tina Kadenge herein. Sie erzählte mir, dass ihre Zähne so sauer seien und dass sie deshalb ein Hilfsmittel bräuchte. Dabei zeigte sie auf die Tüte mit den Süßigkeiten, die im Office stand. Ich musste sehr lachen, denn auf so eine Idee, wie mit den sauren Zähnen, wäre ich gar nicht gekommen. Ich habe den Kindern dann am Abend allen etwas gegeben.

Wochenbericht 8.10-14.10

Nun ist es bald Halbzeit ohne Irene. Alle hier im Heim vermissen sie und auch ihr Ratschlag fehlt uns oft. Trotzdem läuft alles einigermaßen gut. Am Montag fing Santas Bein auf einmal an zu schmerzen. Sie hat sich beim Taekwondo wahrscheinlich eine kleine Prellung zugezogen. Sie hat am Abend ihre Beine in warmem Wasser gebadet und Mama Grace hat ihr dann noch Robb aufs Bein geschmiert. Wenn Mama Grace Robb aufträgt, fängt der „Patient“ immer an zu heulen. Grace drückt das Robb nämlich mit ziemlicher Kraft auf die schmerzende Stelle drauf. Trotzdem wollen alle Kinder sich immer von ihr mit Robb behandeln lasse, weil es hilft. Santa musste also diese Prozedur auch durchstehen.
Der Dienstag war für die meisten Kinder nur ein halber Schultag, denn am Mittwoch ist hier Moi-Day. Das ist ein Feiertag in Kenia. Am Nachmittag waren also alle Kinder im Heim und hatten mehr Zeit als gewöhnlich zum Ausruhen und auch zum spielen. Der Nachmittag war also auch für die Staff lebhafter als sonst, was aber auch schön war denn so hatten wir Zeit mit den Kindern zu spielen. Wir haben die Zeit auch genutzt um mit den kleinen Kindern die Schränke aufzuräumen. Am Abend hat Kennedy nach dem Beten eine recht lange Predigt für die anderen Kinder gehalten. Er hat ein Stück aus der Bibel vorgelesen und dann viel erzählt, aus auf Swahili natürlich. Die Mamas haben gesagt, dass das vor einem Feiertag sehr gut ist wenn sie eine Predigt bekommen. Am nächsten Tag waren die meisten Kinder damit beschäftigt für die Schule zu arbeiten, in der Küche zu helfen und aufzuräumen. Mit den Jungs habe ich gegen Abend Fußball gespielt. Santas Bein tat immer noch ein bisschen weh und sie konnte nur humpelnd laufen. Sie hat aber ihren Schmerz nicht gezeigt und sich auch nicht beklagt. Sie ist auch nicht mit zum Taekwondo Training gegangen. Es sind also nur Tina K., Zaituni und Pendo hingegangen. Ich habe Sunde gefragt, ob er auch wieder mit Taekwondo anfangen möchte. Er hat aber gesagt, dass er nur Fußball spielen möchte und kein Taekwondo mehr machen will. Am Donnerstag sollte Moses sich mit Esthers Lehrerin treffen, die ihm dann miteilte, dass sich Esther in der Schule sehr schlecht benimmt. Sie ist wohl immer sehr frech und vorlaut in der Klasse. Die Lehrerin hat gesagt, dass sich Esther ändern muss denn sonst muss die Schule sie rausschmeißen. Wir haben also mit Esther ein längeres Gespräch gehabt und sie hat gesagt, dass sie sich bessern will. Fadhili hat sich Heute auch über Kopfschmerzen beklagt, wir haben ihm also vor dem Schlafengehen eine Aspirin Tablette gegeben. An unserem Off-Day haben wir nichts Besonderes gemacht, denn wir waren vor allem kaputt. Ohne Irene ist alles irgendwie ein bisschen anstrengender.
Wir haben einfach für uns gekocht und den Tag über gelesen und geschlafen.
Am Samstag war die Mama, die den Mädchen immer die Haare macht wieder da. Die meisten Mädchen haben ihre Haare gemacht bekommen, außer die ihre Haare abrasiert haben.
Mama Edith, die sonst auch immer geflochtene Haare hatte, hat sich ihre abrasiert. Die Mamas haben jetzt alle die gleiche Frisur und tragen ihre Uniformen. Moses und ich waren mit den Kindern, die Lust hatten, am Nachmittag am Strand. Einige sind nicht mit ins Wasser gekommen sondern haben am Strand ihre Lenkdrachen steigen lassen Das hat ihnen total Spaß gemacht. Einige Jungs können das echt richtig gut. Am besten von allen ist aber Willi.
Kennedy hat das zum ersten Mal ausprobiert und schien auch ein Händchen dafür zu haben.
Am Abend haben wir einen Film geschaut. Wir haben James und der Riesenpfirsich von Roald Dahl geguckt. Die Mädchen haben in den folgenden Tagen dann immer die Lieder, die James in dem Film singt, gesungen. Außerdem haben sie einige Szenen des Films nachgespielt. Am Sonntag, dem Jungs Kochtag, haben sich die Jungs überlegt, dass es zum Mittagessen nur Kekse und Saft geben soll. Ich habe mir überlegt, dass ich ihnen nicht dazwischen reden werde, denn sie wollten das unbedingt und hielten es für eine gute Idee. Nach dem Essen war natürlich niemand satt. Die Jungs haben realisiert, dass sie am nächsten Sonntag doch wieder etwas größeres machen sollten. Zum Abendbrot haben sie sich dann aber Mühe mit Mandasi und Bohnen gegeben. Der Sonntag war wie immer mit Kirche und Schulvorbereitung ausgefüllt. Fadhili hatte immer noch ein wenig Kopfschmerzen und wir haben ihm gesagt, wenn es am Montag nicht besser ist, soll er zuhause bleiben und wir gehen zum Arzt. Er hat dann aber gesagt, dass es nicht so schlimm ist und dass er auf jeden Fall zur Schule gehen will. Ansonsten geht es aber allen Kindern gut, Santa humpelt auch schon fast nicht mehr.

Wochenbericht (67-73-Tag, 1. bis 7. Oktober)

Seit Montag tragen die Mamas ihre neuen Uniformen, die Mama Edith in den letzten Wochen genäht hat. Sie sind schön geworden, und alle haben sich darüber gefreut.
Celina und Leons Paten sind am Mittwoch wieder nach Deutschland zurückgeflogen, deshalb hieß es für alle am Dienstagabend Abschiednehmen. Es war etwas traurig, auf beiden Seiten, sowohl der afrikanischen, als auch der deutschen, flossen Tränen.
Bevor sie gefahren sind, wurde für uns noch ein Rezept für Dampfnudeln aufgeschrieben, das haben Valentin und ich Freitag ausprobiert und fanden es sehr lecker. (Danke!)
Da Leon und Baraka so gerne mit dem Tuktuk fahren, bin ich mit beiden und Moses am Mittwoch nach Kilifi gefahren, um neue T-Shirts für Baraka zu kaufen und um zur Post zu gehen. Eigentlich wollte ich mit den kleinen Jungs alleine gehen, aber die Mamas haben sich Sorgen gemacht, dass ich nicht den richtigen Markt finde und die Preise für mich zu hoch sind. Für Baraka waren die vielen Menschen, Autos, Fahrräder etc. sehr ungewohnt, er konnte sich eigentlich gar nicht vom Fleck bewegen, weil er soviel zum Schauen hatte, deshalb musste ich ihn tragen. Und Leon musste zu Moses auf den Arm. Wir haben dann gleich noch ein Geburtstagsgeschenk für Baraka gekauft, da er Samstag Geburtstag hatte.
Am Nachmittag wollte ich den Kindern Süßigkeiten geben (wir hatten alle so saure Zähne). Wir hatten eine ganze Tüte voll bekommen und ich wollte, dass sich jeder etwas aussucht. Die ersten Kinder haben kurz in die Tüte geschaut und sich etwas genommen, aber dann kam Tuma an die Reihe. Sie musste erst einmal alle Sachen anfassen, umdrehen, aus der Tüte nehmen, zurücklegen ... Plötzlich fingen alle Kinder an, die um uns herumstanden in der Tüte zu wühlen. Ich wiederholte immer wieder, dass nur einer zurzeit sich etwas nehmen darf, aber es half nichts. Ich habe dann einfach die Tüte geschnappt und bin vor den Kindern weggerannt. Die Kinder haben mich etwas ums Haus un durch den Garten gejagt, ich hatte aber keine Chance, es waren zu viele. Irgendwann hatte jeder seine Süßigkeiten, auch Tuma. In Zukunft werde ich aber nicht auswählen lassen, sondern es wird, beispielsweise beim Essen, jedem gegeben.
Die letzten Tage haben die größeren Kinder sehr viel für ihre Examen gelernt und waren dann mittwochs auch sehr froh, als sie vorbei waren.
Als ich am Donnerstag auf die Toilette gehen wollte, fiel mir auf, dass vom Toilettenpapierhalter das Stück fehlte, an dem normalerweise die Rolle hängt. Ein Blick in die Tiefe unserer Außentoilette genügte, ich sah das Stück auf dem Grund liegen. Ich dachte nur Sch...
Auf meine Frage, wer es denn darein geworfen hätte, antworteten die Mamas, es sei Baraka gewesen. Ich überlegte kurz, was besser sei, das Stück aus dem Klo zu fischen oder ein neues zu schnitzen. Mein Blick fiel auf eine Konservendose und mir kam die Idee, dass ich die Dose an einen langen Stock kleben könnte und so das Stück vom Toilettenpapierhalter wieder heraufholen könnte. Ohne lange zu warten habe ich gehandelt und nach einigen Versuchen es auch geschafft. Ich hatte mir schon einen Eimer mit Wasser zurecht gestellt, damit ich es gleich abspülen kann, weil es ja recht dreckig war. Am Ende dieser Aktion war der Toilettenpapierhalter wie vorher. Ich habe noch dafür gesorgt, dass Moses Baraka erklärt, dass er das nicht noch einmal machen darf. Es hat nichts genützt, zwei Tage später lag es wieder in der Toilette, und da liegt es jetzt immer noch.
Am Donnerstag habe ich es auch endlich geschafft, Mary ein Kissen zu nähen. Sie hatte nämlich eine neue Matratze bekommen, die aber etwas zu lang für ihr Bett war. Deshalb habe ich ein Stück abgeschnitten. Sie hat mich gefragt, ob ich ihr ein Kissen machen könnte. Ich habe es ihr versprochen, aber es immer nicht fertig gemacht. Jetzt ist das Kissen aber endlich fertig und Mary ist glücklich.
Wie jede Woche gab es mal wieder Probleme mit der Wäsche, die Kinder "vergessen" ständig ihre Wäsche von der Leine zu nehmen. Jetzt lagen aber viele Kleidungsstücke hinterm Schuppen im Dreck. Aus diesem Grund war mal wieder ein Gespräch über die üblichen Themen (Wäsche, Waschmaschine, Waschpulver, Licht) nötig.
Am Samstag klingelte um 6:15 Uhr mein Handy, David rief an, um uns zu sagen, dass einer von uns mit den Taekwondo-Mädchen nach Mombasa fahren muss. Sie sollten um 6:30 Uhr beim Bus sein, außerdem reichte das Geld nicht was Valentin dagelassen hatte. Valentin hat mit David abgemacht, dass er mit nach Mombasa fährt und ich bin ganz schnell ins Heim gerannt, um ihnen aus dem Safe noch Geld zu geben. Der Wettkampf in Mombasa verlief ganz erfolgreich, alle haben sich für den Gelben Gürtel qualifiziert.
Am Abend haben wir noch Barakas Geburtstag gefeiert. Er hat sich über alles (Gesang, Kuchen, Geschenke) sehr gefreut und konnte gar nicht mehr aufhören zu grinsen. Seine neuen Sachen, die er bekommen hat, hat er auch gleich anprobiert und am Sonntag für die Kirche angezogen.
Am Sonntag haben Valentin und ich für das Mittagessen 80 Brötchen aus vier Kilo Mehl gebacken. Es war ganz schön viel Arbeit, aber alle fanden die Brötchen sehr lecker, also hat sich der Aufwand gelohnt.
Insgesamt verlief die ganze Woche sehr gut.

22.10-28.10 eine Woche davor!

Die letzte Woche ohne Irene hat nun angefangen. Am Montag ist Zaitunis Geburtstag. Sie ist etwas traurig darüber, dass Irene nicht bei ihrem Geburtstag dabei sein kann. Der Tag verlief ganz normal. Mama Grace ist nach dem Mittagessen in die Stadt gegangen um ein Geschenk zu kaufen. Das erledigt normalerweise Irene, da sie aber nicht da ist habe ich Mama Grace damit beauftragt. Sie kennt sich nämlich ganz gut mit den Kleidergrößen der Kinder aus und weiß auch, was jedes Kind gebrauchen könnte. Das Abendessen habe ich früher zur mir genommen, weil ich dann mit dem Matatu nach Mombasa gefahren bin. Dort habe ich Joe getroffen, mit dem ich nach Nairobi fahren wollte. Ich musste dort nämlich in verschiedene Offices für mein Visum, u.a. um meine Fingerabdrücke abzugeben. Den ganzen Dienstag habe ich in Nairobi verbracht. Mir hat der Ausflug Spaß gemacht, weil ich so einmal etwas anderes sehen konnte als die Küstenlandschaft. Auf der Hinfahrt sind wir an einem sehr schweren Unfall vorbeigekommen, bei dem ein Reisebus wie unserer in einen Tanklaster gerast ist. Beide Fahrzeuge waren, als wir dort vorbeikamen, dabei komplett auszubrennen.
Wir mussten dort eine Stunde warten, was recht unheimlich war. Es war mitten in der Nacht und überall liefen Polizisten und Soldaten rum. Nach einem erlebnisreichen Tag in Nairobi bin ich am Dienstagabend mit dem Nachtbus wieder zurück nach Kilifi gefahren, wo ich morgens um halb sechs ankam. Am Mittwoch ist Rosetta mal wieder zu Besuch gekommen und hat uns viele Lebensmittel gebracht. Sie ist eine Afroamerikanerin die nun in Kenia lebt.
Am folgenden Tag ist auch noch das Rote Kreuz mit einer Lebensmittelspende gekommen. Sie haben uns 250 Kilo Reis, 20 Liter Fett und 70 Kilo Bohnen gebracht. Nun ist unsere Speisekammer mal wieder richtig schön voll. Moses hat heute auch einen sehr starken Malariaanfall bekommen, weswegen er den ganzen Tag im Wohnzimmer gelegen hat. Am Freitag ist er dann zu Hause geblieben. Wir haben an unserem freien Freitag nichts Besonderes gemacht. Wir waren einfach zu Hause, haben schön gekocht und uns am Abend noch mit ein paar Freunden im Members Club getroffen. Am Samstag mussten alle Kinder beim Aufräumen helfen, da alles total in Ordnung sein sollte bei Irenes Rückkehr. Alle Kinder mussten auch ihre Schränke aufräumen und die Zimmer in Ordnung bringen. Trotzdem haben wir auch die Zeit gefunden, zum Strand zu gehen. Petra Scherz die gerade zu Besuch war und in der Chambai gewohnt hat, ist auch mitgekommen. AM Abend haben wir dann noch einen Film geschaut.
Wir hatten uns entschieden, die Kinder am Sonntag nicht in die Kirche zu schicken, damit alle da sind wenn Irene ankommt. Am Vormittag haben die Kinder die Bäume, das Essenshaus und das Eingangstor mit Blumen geschmückt. Es wurde ihr Wunschessen vorbereitet: Ugali, Kumbu, Kachumbari, Mchicha und Mnavu. Die Wartezeit kam uns dann unendlich lange vor, als Irene dann aber endlich vor dem Tor erschien, rannten die Kinder sie förmlich über den Haufen. Alle waren überglücklich, dass sie endlich wieder bei uns ist. Wir hatten alle im Heim dann einen sehr schönen Abend, nach welchem die Kinder sicher alle gut geschlafen haben, so wie die Erwachsenen auch….

Valentin

Wochenbericht 29. Oktober bis 4. November

Endlich ist Irene wieder da! Wir sind alle glücklich, dass sie wieder bei uns ist.
Wir, und sie natürlich auch, hatten viel zu erzählen, deshalb saßen Valentin und ich mit Irene montagmorgens, noch im Schlafanzug, bei uns im Wohnzimmer und haben geredet. Es hat sich etwas länger hinausgezögert, sodass wir alle etwas spät im Waisenhaus waren. Aber es war für uns wichtig, denn wir mussten einiges besprechen.
Am Dienstag bin ich mit Mary und Zaituni ins Krankenhaus zum Malaria-Test gegangen. Zaituni ging es schon länger nicht so gut, sie hatte viel Kopfschmerzen und eine Erkältung. Mary war morgens von der Schule zurückgekommen, und hatte den ganzen Vormittag geschlafen.
Zaituni wollte nicht mit ins Krankenhaus, aber Dally und Mama Grace haben sie dann überzeugt mitzukommen.
Beide hatten Angst vor dem Test, am Ende ging es aber. Zaituni hatte keine Malaria, aber war nicht ganz gesund, deshalb hat der Arzt ihr Medikamente verschrieben. Marys Malaria-Test fiel positiv aus. Sie bekam auch Medikamente. Auf dem Heimweg habe ich für die beiden je eine Tüte Groundnuts gekauft. Sie haben dann den restlichen Tag geschlafen. Für Zaituni war es sehr schlimm, die Tabletten zu nehmen, Mary hat aber alle Tabletten genommen, ohne sich zu beschweren.
Nachmittags hat Valentin die Schokolade verteilt, die Irene aus Deutschland mitgebracht hatte. Und dann haben wir noch Fadhillis Geburtstag gefeiert. Es war wieder ein sehr schöner Geburtstag, zumal ja Irene wieder da war.
Irene war den ganzen Tag unterwegs, obwohl sie sich überhaupt nicht wohl fühlte. Bevor sie wieder ins Heim kam, hat sie noch einen Malaria-Test gemacht, der leider auch positiv ausfiel.
Am Abend war Baraka mal wieder so aufgedreht, dass er nicht schlafen konnte, sondern im Bett lag und gesungen hat. Die anderen Jungs waren davon natürlich etwas genervt, da sie schlafen wollten.
Mittwoch war ich mit Mama Betty im Krankenhaus, wir dachten, dass sie auch Malaria hat, aber es war eine andere Infektion. Langsam werden alle hier krank…
Nach dem Abendessen hat Valentin die Geschenke und Briefe verteilt, die Irene mitgebracht hatte. Die Kinder haben sich total gefreut, und wollten alle gleich ihren Paten Briefe schreiben, was ja eigentlich auch sehr gut ist. Aber es war leider schon sehr spät, und wir hatten sehr viel Arbeit damit, alle Kinder in die Betten zu bekommen. Insgesamt war es ein großes „Schagalla-Bagalla“.
Donnerstag, Freitag und Samstag hatten Valentin und ich frei, denn die Zeit ohne Irene war recht anstrengend und wir hatten eigentlich nie richtig „frei“, denn es kamen immer irgendwelche anrufe oder Besuche vom Heim und meistens mussten wir ein oder auch mehrmals zum Heim, um etwas zu regeln oder zu klären. Obwohl Irene noch krank war (aber trotzdem viel gearbeitet hat) sollten wir diese freien Tage haben.
Am Donnerstag haben wir eine schöne Bootstour an der Küste entlang gemacht und waren vom Boot aus Schnorcheln. Für mich war es das erste Mal und ich fand alles sehr interessant, ich habe sogar eine Schildkröte entdeckt! Außerdem gab es natürlich viele Fische etc. zu sehen. Die restliche Zeit haben wir uns einfach ein wenig entspannt und für uns gekocht (Ugali freie Zeit). Aber das ein oder andere Mal waren wir natürlich doch im Heim…
Am Sonntag haben wir vormittags, als alle anderen in der Kirche waren, das Heim gehütet.
Später war ich noch auf dem Markt, um Obst zum Marmelade machen einzukaufen. Ich habe zu Hause ausprobiert, Marmelade selber herzustellen, es hat ganz gut geklappt, jetzt möchte ich, wenn die Kinder Ferien haben es mit ihnen zusammen machen. Es ist nämlich einfach und sehr lecker.
Jeden Sonntagabend, wenn die Kinder ins Bett gehen sollen, bricht das totale Chaos aus. Einige Kinder müssen noch ihre Schuluniformen bügeln, andere haben vergessen, wo ihre Zahnbürste ist etc.
Auch diese Woche war es wieder ein großes Durcheinander. Ich bin immer glücklich, wenn wenigstens die kleineren Kinder im Bett sind, denn die großen gehen von alleine irgendwann.

Viele Grüße, Janna
Wir haben übrigens seit 1,5 Monaten kein Wasser mehr im privaten Haus und jetzt ist auch der Tank leer. Ich habe große Angst, dass dem Heim auch das Wasser wegbleibt. Denn der Wasservorrat da reicht höchstens für 2 Tage.

Wochenbericht 5. bis 11. November

Am Montag hat uns die Patin von Brian besucht. Wir wussten, dass sie kommt, hatten Brian aber nichts erzählt. Als er aus der Schule kam hat er sie schon von weitem erkannt und ist auf sie losgestürmt, um sie zu umarmen. Fast wären beide mit dem Stuhl, auf dem sie saß, umgefallen. Es sah sehr lustig aus, wie in einem Film, alle mussten lachen. Brian hat sich schnell umgezogen und saß in seinen Sonntagskleidern bei einergeliebten Hennerola (er konnte sich den Namen Hannelore nicht merken). Es gab für jedes Mädchen einen Kanga und für die Jungs T-Shirts, die wurden dann sonntags zur Kirche angezogen.
Mama Betty ist auch wieder gesund.
Mittwochs bin ich mit Leon, Baraka und Hanna zum Strand gegangen. Für Baraka war es das erste Mal am Strand mit „Schwimmen“. Es war Ebbe und es gab keine Wellen, was sehr gut war. Erst hat sich Baraka nicht getraut, ins Wasser zu gehen, als er uns alle gesehen hat, ist er aber langsam auch hinein gewatet. Er musste die ersten Minuten aber auf meinen Beinen sitzen, Leon dagegen ist schon herum geschwommen. Im Wasser gab es viel Seegrasstücke, Baraka hat dazu immer „Samaki“ (=Fisch) gesagt, und geriet völlig aus der Fassung, als ich ihm ein Stück davon auf die Schulter geworfen habe, nachdem er mir mit einem Becher Wasser über den Kopf gegossen hat. Insgesamt hat es ihm sehr gut gefallen, auch wenn er sehr viel Wasser geschluckt hat, denn er redet die ganze Zeit. Anschließend sind wir mit einem Tuktuk wieder zum Heim gefahren. Ich hatte leider vergessen, mich mit Sonnencreme einzucremen, deshalb habe ich natürlich hinterher einen Sonnenbrand auf dem Rücken gehabt.
Valentin, Moses und Steve sind stundenlang mit dem Fahrrad durch die Dörfer gefahren, um eine Ziege für Samstag zu kaufen. Am Ende haben sie eine in Kilifi gefunden. Und Valentin hatte ebenfalls einen Sonnenbrand.
Donnerstags ist Valentin mit Kenny ins Krankenhaus, denn er sollte eine Tetanus-Spritze wegen seiner Knieverletzung bekommen. Die Kinder sind alle mehr oder weniger gesund, viele haben leichten Husten und bekommen Hustensaft.
Unseren Off-Day haben wir genutzt um uns im Mnarani-Club die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Es war ein schöner Tag am Pool mit einem sehr guten Mittags-Büffet. Außerdem habe ich die Dusche genossen, denn wir hatten kein Wasser im Haus, der Tank ist leer. Im Heim ist aber zum Glück noch Wasser, ich hoffe, es bleibt nicht demnächst weg. Es ist aber ein sehr eigenartiges Gefühl, in einem Haus zu leben, wo es zwar Wasserhähne, Dusche und Toilette gibt, jedoch nicht benutzt werden können, da es kein Wasser in der Leitung gibt.
Am Samstag haben wir eine kleine Party gehabt, um Irenes Wiederkehr zu feiern. Es gab die Ziege (Moses hatte sie morgens „zubereitet“), einige Enten und Hühner aus eigener Aufzucht. Bei der Zubereitung der Enten und Hühner haben alle mitgeholfen, sowohl Mädchen als auch Jungs und sogar ich. Ich habe das erste Mal in meinem Leben ein Huhn gerupft, dabei wurde ich leider von Fadhili mit Entenblut besprenkelt und musste mich (inklusive Haare und Hose) waschen. Irene hatte, neben der Ziege, auch noch drei Kästen Sodas gekauft, sodass alle sehr viel trinken konnten. Essen gab es auch reichlich, das Pilau war sehr köstlich. Nachmittags gab es noch eine Ansprache von einem Pastor und ein langes Dankes-Gebet, dass Irene heil zu uns zurückgekehrt war.
Am Sonntagabend haben wir einen Film mit den Kindern geschaut, es gab Superman, den Film hatte Fadhili zu seinem Geburtstag von seinen Paten bekommen.
Nachmittags ist bei uns im Haus das Wasser zurückgekommen, nur in einem ganz dünnen Strahl, aber besser als gar kein Wasser. Gegen 8 Uhr konnte man sogar die Dusche wiederbenutzen. Allerdings war das Wasser noch sehr dreckig, da die Schläuche solange trocken lagen.
(Janna)

Janna - Wochenbericht 19. bis 25. November 2007

Der Wochenbeginn war für mich immer noch geprägt durch meine Malaria, ich war zwar nicht mehr krank, jedoch hatte ich immer noch Kopfschmerzen und ich habe mich sehr schwach gefühlt. Deshalb bin ich dienstags noch mal ins Krankenhaus gegangen. Mir wurde Blut abgenommen und untersucht, da der Arzt es sich nicht erklären konnte, warum ich mich noch so schlecht fühle. Der Bluttest hat aber nur ergeben, dass ich, bis auf diverse Allergien, gesund bin, also keine Malaria mehr habe. Also sollte ich mir in der Apotheke einen Vitaminsaft kaufen, der mich wieder fit machen sollte. Einen der Apotheker kenne ich schon recht gut, er macht immer für uns gute Preise, leider war der nicht da und sein Kollege nimmt immer „Mzungu-Preise“, also habe ich natürlich mal wieder zu viel bezahlt


Leon und Baraka spielen wieder draußen, sie sind aber nach der Beschneidung noch nicht wieder ganz in Ordnung. Niemand, der in einer Beziehung lebt, oder wenigstens in dem Alter ist (zum Beispiel Irene und wir) darf den noch nicht vollständig verheilten Penis nach der Beschneidung sehen oder gar berühren. Ebenso war es uns nicht erlaubt die Jungs nach der Beschneidung zu berühren. Würde man sich daran nicht halten, würde der Penis anschwellen und wahrscheinlich sogar abfallen.

Also darf ich zurzeit nicht mithelfen Baraka und Leon zu waschen und umzuziehen oder ihnen beim „Pupu-machen“ helfen. Das Problem war aber, dass sie sich nicht so verhalten haben, dass es möglich gewesen währe, dass wir uns nicht berühren. Denn wenn ich in ihre Nähe gekommen bin, haben sie versucht sich an meine Beine zu hängen oder meine Hand angefasst, um an mein Handy zu kommen.
Als Pendo am Dienstag aus der Schule gekommen ist, hat sie sich krank gefühlt und ins Bett gelegt. Später am Abend hatte sie dann aber auch auch noch hohes Fieber, sodass wir mit ihr ins Krankenhaus gehen mussten. Ich habe Pendo mit Mama Grace begleitet. Da wir erst nach dem Abendessen gegangen sind, hatte sie bereits ihr Nachthemd an und hat sich auch nicht mehr umgezogen, nur einen Kanga umgewickelt. Bei der Untersuchung kam heraus, dass Pendo Malaria hatte. Der Arzt hat ein sehr, sehr teures Medikament aufgeschrieben, wir hatten gar nicht genügend Geld mit, um das zu bezahlen.
Der Apotheker ist dann aber freundlicherweise noch einmal zum Doktor gegangen, der dann ein anderes Medikament gesagt hat. Irene hat sich über den Vorfall sehr geärgert, sie hat mit dem Oberarzt des Krankenhauses gesprochen, jetzt müssen wir die Rechnung nicht mehr sofort bezahlen und wenn wir einen Notfall haben oder Nachts etwas ist, kommt er zu uns ins Heim. Aber weiße Praktikanten dürfen jetzt nicht mehr mit den Kindern oder als Begleitung ins Krankenhaus gehen, denn das verleitet wohl zu viel zu hohen Preisen.

Zum Glück haben die Medikamente geholfen, denn am nächsten Tag ging es Pendo schon viel besser.
Am Mittwoch hatten wir ein Staff-Meeting, wo wir die Sachen mit den Krankenhaus und einige andere Sachen besprochen haben, wo noch keine Gelegenheit war, sie früher zu besprechen.

Die Kinder hatten mittwochs und donnerstags ihre Examen. Kennedy konnte nicht zum Mittagessen nach Hause kommen, denn das eine Examen ging sehr lange, und das nächste fing bereits eine knappe halbe Stunde später an. Am Donnerstag hat er deshalb ein wenig Geld bekommen, um sich etwas zu Essen zu kaufen. Darüber war er sehr glücklich. Am Nachmittag bin ich mit einigen Mädchen einkaufen gegangen, ich habe nämlich abends zu Hause Marmelade gekocht, für die Kinder auch ein großes Glas. Sie mochten es gerne, aber irgendwie stand es einige Tage später immer noch halbvoll im Kühlschrank.

Einige Kinder hatten schon Examensergebnisse bekommen, insgesamt sahen diese doch sehr zufrieden stellend aus. (Mehr dazu im Monatsbericht für November)
Als kleine Belohnung habe ich mir ausgedacht, dass die Kinder für 90-99% richtige Antworten in den Examen ein Kaugummi (Mr Berry) und für 100% zwei bekommen. Ich denke für einige Kinder muss ich ganz schon tief in die Tasche greifen, weil sie nur über 90% haben

An unserem freien Tag wollten wir eigentlich einen Ausflug zum Mida-Creek (kurz vor Watamu) machen, aber die Frau, mit der wir zusammen fahren wollten, hatte Malaria und wir mussten das geplante Picknick bei ihr zu Hause am Pool machen, das war auch sehr schön. Bevor wir nach Hause gegangen sind, haben wir noch dort geduscht, da wir mal wieder kein Wasser im Haus hatten.

Hat man mal eine Zeit lang kein Wasser und muss jeden Tropfen zum Zähneputzen, Duschen etc zum Haus tragen, merkt man mal wie viel Liter Wasser täglich einfach so wegfließen und wie gut es doch ist, wenn man einen Wasserhahn hat, aus dem Wasser kommt.

Zum Glück haben wir Wasser im Heim, denn sonst müssten wir für alle Kinder wieder Wasser kaufen und das ist viel Arbeit und sehr teuer.
Am Samstag sind Petra und Helmut wieder gekommen. Für die Kinder war es eine Überraschung, denn wir haben es auch erst eine Woche vorher erfahren und dachten uns, es wäre lustig die Ankunft geheim zu halten.

Leider waren wir total müde, denn in der Nacht davor, war bei uns in der Nähe ein Tanzwettbewerb oder etwas ähnliches, denn von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens mussten wir immer wieder das selbe Lied hören, in einer Lautstärke, bei der man einfach nicht wirklich schlafen kann.

Als Petra und Helmut endlich kamen, war die Überraschung für die Kinder natürlich sehr groß. Alle haben sich sehr gefreut, dass „Mama Petra“ und „Vater Helmut“ wieder da waren. Wie jedes Mal gab es auch diesmal für jeden (Kinder, Mitarbeiter, Volontäre) Schokolade. Ich habe mich darüber sehr gefreut, denn ich hatte schon sehr lange kein Stück Schokolade mehr gegessen und der Geschmack war einfach himmlisch.

Am Nachmittag wollten die Kinder gerne mal wieder zum Strand gehen. Auch einige Mädchen wollten mit, deshalb sollte ich auch mitgehen. Valentin und ich sind noch schnell zum Haus, um unsere Badesachen zu holen. Als wir uns dann mit den anderen Kindern und Stephen auf dem Weg getroffen haben, waren doch keine Mädchen dabei. Ich bin dann aber trotzdem mit zum Strand gegangen.

Am Abend gab es dann Pilau mit Chicken als kleine „Willkommensparty“ für Petra und Helmut.

Am Sonntag sind wir alle zusammen zur Kirche gegangen, denn es war die Taufe von Leon, Baraka und Kevin. Wir wussten von der Taufe erst seit Freitagnachmittag, also konnten wir sie nicht mehr bekannt geben, da Petra und Helmut schon unterwegs waren und auch nichts davon wussten (Sorry).

Die Taufe fand in der St. Thomas Church im Kiswaheli-Gottesdienst statt. Die drei Jungs hatten weiße Hemden und schwarze Hosen an und sahen sehr feierlich aus. Alle drei haben Taufpaten aus der Gemeinde bekommen und einen christlichen Taufnamen. Sie heißen
- Leon Max
- Baraka Paul (er selbst sagt „Paulo“)
- Kevin Boi

Nach der Taufe haben unsere Kinder während des Gottesdienstes noch zwei Lieder gesungen.
Vom Gottesdienst selber habe ich eigentlich nichts verstanden, außerdem war es sehr heiß in der Kirche, deshalb sind Petra, Helmut, Valentin, Irene und ich etwas früher gegangen. Auch die großen Jungs sind zurück zum Heim gegangen, weil sie das Mittagessen vorbereiten mussten.

Der restliche Tag verlief normal, wir haben nichts Besonderes mehr unternommen.
Petra hat unser Haus etwas weihnachtlich dekoriert, es kommt mir aber gar nicht so vor, als würde die Adventszeit in ein paar Tagen anfangen. Weihnachtsdekoration gehört einfach nicht in den Sommer!
(Janna)

Wochenbericht 12.11.-18.11. (Beschneidung von Leon und Baraka) von Valle

An diesem Montag war die Beschneidung von Leon und Baraka angesetzt. Schon morgens früh verließen sie mit Irene und Mama Grace das Haus. Sie sind mit einem TukTuk zum District Krankenhaus gefahren. Als sie wieder ins Heim zurückkamen waren Leon und Baraka noch unter vollem Einfluss der Medikamente und haben erst einmal einfach nur geschlafen. Als sie langsam zu sich kamen, hatten sie sehr starke Schmerzen und haben viel geweint. Sie mussten drei Mal am Tag einen Paracetamol - Saft zu sich nehmen.

Was für mich sehr besonders an der Sache war, dass es für frisch beschnittene Jungen hier in Kenia ganz bestimmte Regeln gibt. Erwachsene und Jugendliche, die geschlechtsreif sind oder einen Freund/Freundin/Mann/Frau haben, dürfen mit den neu beschnittenen nicht in körperlichen Kontakt kommen. Wenn jemand auf den dieses Zutrifft nämlich mit den kleinen Jungs vor der vollkommenen Verheilung in Körperkontakt kommt, wird sich die Verheilung stark hinauszögern und schlimmen Fällen sogar nie mehr verheilen.

Um die kleinen Jungs musste sich also vor allem Mama Grace kümmern, da sie schon sehr alt ist und keinen Mann mehr hat. Das alles war für mich etwas komisch, da ich es kenne, dass wenn jemand krank ist, man sich um ihn besonders stark kümmert. In der Nacht nach der Beschneidung hat Mama Grace mit den beiden Jungs im Wohnzimmer geschlafen und die beiden haben wohl in der Nacht sehr stark geweint. Am frühen Dienstagmorgen sind wohl beide auch für ihr erstes Pipi machen auf die Toilette gebracht worden. Das erste Pinkeln ist wohl sehr wichtig, weil dann das gesamte geronnene Blut herausgespült wird. Gleichzeitig ist es aber auch sehr schmerzhaft. Leon und Baraka waren während der ganzen Tage nur in Tücher gewickelt und sie konnten auf ihren Matratzen im Wohnzimmer immer nur sehr breitbeinig sitzen oder liegen. Zum essen wurden sie halb hingesetzt und die ganze Prozedur war nicht besonders einfach.


Als die beiden am Mittwoch wieder anfingen so halbwegs zu laufen, sah dass recht witzig aus. Sie sind breitbeinig und humpelnd hin-und-her gewackelt. Sie sahen eher aus wie alte Männer. Die Mamas waren sehr viel damit sich um sie zu kümmern und ihnen bei allem zu helfen. Die großen Kinder haben sich also hauptsächlich ums Kochen gekümmert, denn in dieser Woche war auch keine Schule, da die achten Klassen ihre Abschlussarbeiten hatten. Das mit dem Kochen hat sehr gut funktioniert und da heben die Kinder auch ein großes Lob verdient. Leon und Baraka ging es Tag für Tag ein Stückchen besser und sie haben ab Donnerstag eigentlich gar nicht mehr geweint. Am Donnerstag kam auch der Taekwondo Lehrer von Santa, Tina K., Pendo und Eva (Zaituni). Wir sind alle vor dem Mittagessen in die Chambai gegangen und dort hat der Lehrer dann im großen Essensraum drei Stunden Taekwondo mit den Kindern gemacht. Für viele war das sehr anstrengend und schweißtreibend, aber es hat allen Spaß gemacht und gut getan.

Als wir wieder im Heim waren hat der Lehrer noch Ausschnitte aus Taekwondo Lehrfilmen und Kämpfe von den Weltmeisterschaften gezeigt.
Am Freitagabend konnten Leon und Baraka zum ersten Mal wieder in ihr eigenes Bett im Jungenzimmer. Ab Samstag durften sie sich auch wieder frei auf dem Gelände bewegen. Baraka hat auch gleich etwas ganz tolles gemacht. In der Außentoilette haben wir eine Halterung mit Toilettenpapier und darin ist ein Stab wo die Rolle festsitzen soll. Baraka hat diesen Stab in das Loch geworfen und der ist sofort in der ganzen S**** versunken.

Am Sonntag war dann eigentlich nichts besonderes, nur dass Leon und Baraka wieder mit in die Kirche durften und zum ersten Mal seit der Beschneidung wieder eine Hose anstelle der Tücher anhatten.

Wochenbericht 3. bis 9. Dezember 2007 von Janna

Anfang der Woche hatten wir Besuch von Kevins Paten aus Deutschland. Er hat sich sehr gefreut darüber, es ist immer wieder etwas so besonderes für die Kinder wenn die „Eltern“ sie besuchen kommen.

Montag gegen Abend hat Pendo ihr Geburtstagsgeschenk in Form eines Gutscheins bekommen. Alle Kinder und Mitarbeiter haben sich in einem Kreis aufgestellt und Pendo stand in der Mitte und hat den Gutschein vorgelesen. Darin stand, dass wir alle auf Safari fahren und unsere Reise von Bernd Lehrle (Pendos Pate) und DM Tours (Safari-Unternehmen aus Diani/Südküste) gesponsert wird.

Die Kinder haben alle gleich geklatscht, aber es hat einen Moment gedauert, bis sie verstanden hatten, was es heißt, dass wir alle zusammen eine Reise machen. Der Jubel war dann aber umso größer. Alle Kinder haben gesungen und getanzt.

Am Dienstag sind wir am Nachmittag mit fast allen Kindern zum Strand gegangen. Auch die Paten von Dally sind mitgekommen. Es war mal wieder richtig schön, denn mit so vielen Kindern waren wir lange nicht mehr am Strand. Der Rückweg war allerdings etwas anstrengend, denn Baraka und Leon mussten getragen werden, weil sie so müde waren.

Petra hatte schon eine Außendusche vorbereitet, damit die Kinder den ganzen Sand vom Strand nicht ins Haus tragen. Die meisten Kinder sind früh ins Bett gegangen, weil sie so müde waren.

Mittwochs sind wir mit Helmut, Petra, Irene, Klaus, Karin und Nine (Paten von Dally) nach Mombasa gefahren, um einige Einkäufe zu tätigen. Vorher mussten wir aber noch nach Diani, um mit Dennis Moser (dem Besitzer des Safariunternehmens, welches unsere Safari mit sponsert) die letzten Fragen zu der Safari zu besprechen.

Die Fahrt hat uns mal wieder über sehr abenteuerliche Straßen geführt, und wir mussten auch die legendäre Likoni-Fähre benutzen. Auf dem Rückweg sind wir an der Fähre noch von einem Polizisten angehalten worden, er meinte dass unser Taxifahrer ein Beachboy wäre und Irene etwas Ähnliches. Er war sehr wütend, dass wir ihm kein Geld gegeben haben, damit er uns in Ruhe lässt.

Mombasa ist wirklich eine Großstadt, im Gegensatz zu dem verschlafenen Kilifi. Es gibt immer wieder sehr viel zu gucken, denn es gibt soviel interessantes zu sehen. Wir haben u. a. neue Schuluniformen bestellt. Auf dem Rückweg waren wir noch im Nakumatt, um zum Beispiel neue Champali (Flip-Flops) für die Kinder zu kaufen. Die Schuhe sollte nämlich der Nikolaus bringen.

Als wir wieder in Kilifi waren, war es schon dunkel, und wir waren alle müde vom Einkaufen und von den langen Fahrten. Valentin hat im Heim geschlafen, um dem Nikolaus zu helfen. Er hat gegen ein Uhr die Geschenke in die bereitgestellten Schuhe gelegt. Um vier Uhr ist ein Kind zur Toilette gegangen und hat die Geschenke gesehen. Alle Kinder sind aufgestanden, um die Sachen zu sehen und aufzuteilen. Danach sind alle wieder ins Bett gegangen und haben noch etwas geschlafen.

Die Kinder haben sich natürlich die ganze Woche auf die Safari gefreut. Sie sollten jeder einen Rucksack mitnehmen, mit allen Sachen. Die meisten Kinder haben auch gleich Dienstag angefangen, ihn zu packen. Leider hatten nicht alle an alles gedacht, zum Beispiel fehlten diverse Pullover, das haben wir aber erst auf Safari gemerkt.

Am Sonntagnachmittag haben alle Kinder gut mitgeholfen, die letzten Sachen für die Safari zu packen. Wir haben für jedes Auto eine Kiste mit Brot, Bananen, Saft und Bechern gepackt. Als wir damit fertig waren, haben wir noch alle auf die Fahrer der Safari-Busse gewartet. Als sie endlich da waren haben die Kinder ein Lied zur Begrüßung gesungen. Eigentlich sollten alle früh ins Bett, aber wir sind alle erst richtig spät ins Bett gekommen. Die Kinder waren auch viel zu aufgeregt, früh einzuschlafen.

(Janna)

Wochenbericht 10.12.-16.12. (Die Safari)

Früh am Montagmorgen sind wir aufgestanden, denn es sollte ja um sechs Uhr zur Safari losgehen. Die Fahrer der fünf Busse hatten bei uns oben im Haus geschlafen und dann auch gefrühstückt. Ich war in einem Bus mit Janna, Brian, Kevin, Jimmy, Kennedy, Ngao und Steven. Von Anfang an lief alles etwas Chaotisch, denn die kleinen Jungs haben sich viel gestritten oder die großen genervt.

Der erste Teil der Fahrt verlief ruhig bis zur großen Frühstückspause noch außerhalb des Parks. Wir hatten Brot, Bananen und Saft in den Bussen dabei. Es gab bei uns im Bus dann schon Gezanke wer als erstes bekommt usw. Nach der ausgiebigen Pause ging es dann in Richtung Buchuma Gate und dann in den Tsavo East National Park hinein.

Wir haben auf der Fahrt zur Voi Lodge (72km vom Buchuma Gate) schon sehr viele Tiere gesehen. Am spannendsten fand ich eine Herde von ca. 30 Elefanten Jungbullen. Als wir zum Mittagessen in der Lodge ankamen, waren alle sehr hungrig und es gab ein schönes Bufet. Für die Kinder war das auch etwas ganz neues, denn das Meiste was es dort zu essen gab kannten sie nicht. Ich habe versucht ihnen Salate und Suppen als Vorspeise schmackhaft zu machen, aber die allermeisten sind zu den Fleischgerichten gegangen und haben sich dort die Teller voll gehäuft. Salat kennen sie nicht und die meisten Gemüse Gerichte kannten sie auch nicht.

Nach dem Essen gab es dann zwei Stunden Zeit zum ausruhen, in der die meisten von uns zum Pool gegangen sind. Außerdem haben alle Kinder in der Voi Lodge für Klaus (Mundhenks waren auch mit auf der Safari) ein Lied gesungen und er hat ein Geschenk überreicht bekommen.

Einige haben sich auch in den Zimmern hingelegt und ausgeruht. Um vier Uhr ging es dann zur nächsten Pirschfahrt, von der wir so gegen sieben Uhr zurückkamen. Es sind erst alle zum duschen in ihre Zimmer gegangen. Ich war mit Brian und Willi in einem Zimmer. Wir hatten im Bad nur eine Badewanne mit Duschvorrichtung. Ich habe zuerst geduscht und dann den beiden Jungs erklärt, wo das heiße und wo das kalte Wasser ist, wie man sich Seife aus dem Spender nimmt und dass sie den Vorhang zumachen müssen. Die Jungs waren dann zusammen in der Dusche und ich saß im Zimmer und habe gewartet. Plötzlich kam unter der Badezimmertür ein riesiger Fluss Wasser heraus und hat das halbe Zimmer überschwemmt.

In der Dusche waren die Jungs am Kaspern und hatten den Vorhang natürlich nicht zu gemacht. Wir mussten nun fast alle der Handtücher die bei uns im Zimmer waren dazu verwenden, das Wasser aufzusaugen. Als wir damit fertig waren, haben die beiden Jungs mir versucht zu erzählen, dass Irene ihnen gesagt hätte, sie sollen zum schlafen nicht ihre Schlafsachen anziehen. Die Begründung war dass wir zur Pirsch am nächsten Morgen sehr früh aufstehen müssen und es deshalb praktisch wäre, gleich seine richtigen Sachen anzuhaben.

Als ich Irene beim Abendessen darauf ansprach, konnte sie auch nur Lachen. Während des Essens hatten wir einen Stromausfall und die Kellner mussten alle mit Kerzen versorgen.

Am nächsten Morgen nach dem frühen aufstehen und während der Frühpirsch hat sich Brian bei uns im Bus wieder was Tolles geleistet. Vom Vortag hatte er noch eine Banane in seiner Tasche, und er fragte mich ob er die während der Pirsch den Pavianen geben darf. Ich habe im das natürlich verboten und dann hat er seine Banane auch selber gegessen, aber die Schale in der Hand behalten. Das habe ich aber leider nicht mitbekommen. Als wir dann bei einer ganzen Pavianfamilie hielten und alle aus dem Dach schauten, sagte Brian zu mir, dass das eine große Männchen in dauernd so anschaut. Plötzlich ist das Männchen auf unsern Bus zu gerannt und daran hochgesprungen aber zum Glück nicht hoch genug um hereinzukommen. Brian ist rückwärts auf den Boden vom Bus gefallen, mit der Bananenschale immer noch in der Hand.

Seitdem hatte er auf dem Rest der Safari ziemliche Angst vor den Affen.
Der Rest der Safari verlief ohne weitere Besonderheiten, zum Mittagessen waren wir außerhalb des Parks an den dessen Grenze in einem Restaurant. Dann ging es zurück nach Hause, wo alle nach einem kurzen Abendessen gleich in Bett gegangen sind.


Am Mittwoch waren alle vor allem noch müde. Am Nachmittag kamen die Paten von Kevin und haben alle zum Eisessen eingeladen. Am Donnerstag haben Klaus und Karin alle zum Chicken and Chips Essen in der Chambai eingeladen.
Freitag an unserem Off-day waren Janna und ich mit Helmuth, Klaus, Karin und Nine vom Mnarani Club aus tauchen. Wir haben sehr viele Fische und Korallen gesehen und die Tauchfahrt war echt super schön. Am Samstag sind wir am Nachmittag mit den meisten Kindern zum Strand gegangen. Es war nun auch schon der letzte Tag für Mundhenks.

Am Abend haben wir nach dem Essen Bilder von der Safari mit dem Beamer angeschaut. Danach haben sich die Kinder von Mundhenks verabschiedet und noch einige Lieder gesungen. Der Sonntag verlief dann ganz normal mit der Kirche dem Rest des Tages Zeit zum Spielen usw.

Weihnachten 2007
Der 24.12. fing für mich und Janna schon recht früh an, da wir zum Flughafen gefahren sind um meine Eltern abzuholen. Es war schön, meine Eltern hier in Kenia wieder sehen zu können. Auf dem Rückweg vom Flughafen, begegnete uns dann etwas, was uns so gar nicht in weihnachtliche Stimmung versetzte. In Bombulu wurde am Straßenrand ein Mann gesteinigt, wahrscheinlich war er ein Dieb gewesen. Er lag am Boden mit völlig zerstörtem Kopf und überall neben ihm lagen faustdicke Steine. Es stand eine Menschenmenge um ihn herum und diskutierte lauthals. Dies war als ersten Eindruck von Kenia für meine Eltern nicht gerade schön. Zu Hause angekommen haben sich meine Eltern ein kleines bisschen eingerichtet und sich dann auch schon hingelegt um sich auszuruhen.

Janna und ich sind ins Heim gegangen, wo die Weihnachtsvorbereitungen schon im vollen Gange waren. Ich habe dann mit den Mamas und einigen Kindern eine riesige Schüssel Obstsalat vorbereitet.

Als es gegen Abend zuging, wurde die Stimmung bei den Kindern zunehmend gespannter, denn sie wussten, dass der Santa Klaus heute kommen würde. Vor der Bescherung gab es aber erst einmal das Weihnachtsessen, welches aus frittiertem Hühnchen, englischen Frühstückswürstchen, Kachumbari, Brot und Obstsalat bestand. Jeder hatte die Möglichkeit, wirklich gut satt zu werden und die Kinder nutzten dies auch aus.

Nach dem Abendessen mussten Janna und ich dann mit den ganzen Kindern einen Spaziergang machen, um den Weihnachtsmann zu suchen. Wir mussten aus dem hinteren Eingang vom Heim hinaus, da nach vorne hin die große Schaukel geliefert wurde, die es als Weihnachtsgeschenk für alle geben sollte. Wir haben also hinterm Heim einige kleine Runden gedreht, auf denen wir den Weihnachtsmann natürlich nicht gefunden haben.

Die Kinder haben während der ganzen Zeit gesungen und bei jedem Menschen dem wir begegnet sind gerufen, dass dies der Weihnachtsmann sei. An einem der kleinen Shops hinterm Heim habe ich allen Kindern noch ein Mr. Berry gekauft, so dass die Zeit etwas schneller vorbei geht. Irgendwann bekam ich dann endlich einen Anruf, dass alles fertig sei und dass wir zurückkommen könnten. Als wir wieder da waren, brannte im Küchenhaus schon der Weihnachtsbaum und Petra ging mit Queeni ums Haus, um zu schauen ob dort jemand sei.

Sie kamen zurück gerannt und waren ganz aufgeregt. Nun hörte man auch schon ein rasseln und schwere Schritte kamen ums Haus herum. Plötzlich haben die Hunde angeschlagen und klangen dabei wirklich recht böse. Der nun erscheinende Weihnachtsmann musste mit seinem Stock die Hunde von sich fernhalten. Er ging dann ins Küchenhaus, wo alle Kinder schon saßen und plötzlich ganz ruhig waren. Er begrüßte alle und wurde mit großem Respekt, auch von den großen Kindern, zurückgegrüßt.

Nun fing der Weihnachtsmann an, die Geschenke an jedes Kind einzeln zu verteilen. Dazu musste jedes Kind nach vorne kommen und einige fragen über sein Benehmen und über die Leistung in der Schule beantworten. Leon und Baraka schienen ziemlich Angst zu haben, es war für beide ja das erste Mal, an dem sie den Weihnachtsmann gesehen haben. Als Baraka nach vorne musste, war dieser ganz still und hat mit großen Augen geschaut.

Als Leon auf Tumas Arm nach vorne kam, fing er an sehr stark zu heulen. Er hatte große Angst und konnte kaum noch Danke schön zum Weihnachtsmann sagen. Als alle an die Reihe gekommen waren, auch die Mamas und die anderen Mitarbeiter, verabschiedete sich der Weihnachtsmann und ging wieder. Die Hunde ließen in diesmal in Ruhe. Die Kinder haben für den Weihnachtsmann noch Asante Sana gesungen und konnten sich dann so richtig über ihre Geschenke freuen.

Die Kinder haben ihre Geschenke dann draußen auf den Bänken und Tischen angeschaut, während es nun eine kleine Runde nur mit den Mitarbeitern, Petra und Helmut und mir und Janna gab. Petra hat eine kurze Ansprache gehalten und dann gab es für jeden einen Umschlag mit einer Zuwendung vom Verein und den Weihnachtsspenden der Paten und Mitglieder. Danach wurden alle Mitarbeiter in einen zwei Tages Urlaub geschickt. Sie bekamen auch noch einen dritten Tag frei, den 27.12., an dem ja die Wahlen in Kenia angesetzt waren.

Nun folgten für uns drei recht anstrengende Tage, an denen wir aber zum Glück auch Hilfe hatten. Am ersten Tag sind Janna und ich mit einigen Kindern die Lust hatten, in die Kirche zum Weihnachtsgottesdienst gegangen. Das war sehr schön und ganz besonders. Die Kirche war ziemlich voll und glücklicherweise war der Gottesdienst auf Englisch. Als wir zurück in Heim kamen, war Irene trotz ihres freien Tages auch da und hat, ziemlich alleine, das Mittagessen und das Abendessen für uns gekocht. Sie hat die Reste des Weihnachtsessens verarbeitet und so hatten wir keine Arbeit mehr mit der Essensvorbereitung.

Am Abend haben wir noch Dick und Doof geschaut, was den Kindern sehr gut gefallen hat. Janna, Christian und ich haben, wie die Nacht davor auch schon, im Heim geschlafen. Die Nacht verlief sehr ruhig und die Kinder sind auch nicht so früh aufgewacht. Wir hatten ihnen nämlich extra gesagt, dass sie dann aufstehen sollen wenn sie aufwachen. So sind alle zwischen 7 und 7:30h aufgestanden. Wir haben uns Zeit gelassen, das Haus geputzt und das Grundstück gereinigt. Dann haben wir alle zusammen gefrühstückt.

Für das Mittagessen haben wir nur Brot mit Obst und Saft gegessen, denn zum Abendessen haben Petra und Helmut alle in die Chambai eingeladen. Der Tag verlief auch sehr ruhig, denn die Kinder haben alle als ein Team zusammengearbeitet und auch immer fleißig mitgeholfen.

Am Abend haben wir wieder Dick und Doof geschaut, was wieder große Heiterkeit hervorrief. Die Nacht verlief wiederum sehr ruhig. Ich habe mich am Abend noch recht lange mit Kennedy über die Wahlen und die Politik in Kenia unterhalten. Als wir ins bett gehen wollten, fiel uns dann ein, dass die Milch noch nicht gekocht wurde. Wir haben uns also beide vor den Herd in der Küche gesetzt und die Milch gekocht. Dabei haben wir uns weiter unterhalten und in einer deutschen Zeitschrift geblättert. Der letzte der drei Tage verlief genauso gut und es ist wieder nichts besonders geschehen.
Nach dem Abendesse, Irene war davor schon gekommen, konnten Janna und ich unseren Urlaub anfangen. Irene und Winnie haben im Heim geschlafen. Janna und ich sind mit meinen Eltern nach Hause gegangen, und ich konnte es gar nicht glauben, dass ich nun mehr als nur einen freien Tag haben sollte.

 

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