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Bericht Spende Bamba Juni 2010

„Was hat es mit „Hilfe für Bamba“ auf sich?“

Also, angefangen hat das Ganze, als David beim Social Service war, da er dort ein Meeting mit Herrn K. hatte. Im Anschluss fragte ihn dieser, ob wir in der Lage wären seinen zu betreuenden Distrikt „Bamba“ in irgendeiner Form zu unterstützen. David sagte ihm Hilfe zu und dann kamen Christina und ich auf die Idee, unsere Spenden direkt vor Ort abzugeben und uns das Leben dieser Menschen genauer zu betrachten, um vielleicht eine größere Aktion daraus zu starten. Derzeit ist es nämlich der Fall, dass die Regierung diesen Menschen satte 15€ pro Monat zukommen lässt, allerdings sind die infrastrukturellen Bedingungen so miserabel und die Menschen dadurch so abgeschottet, dass sie vermutlich dieses Geld gar nicht direkt nutzen können. Deshalb wollen wir beide nun die Menschen mit direkter, statt ausschließlich monetärer Hilfe versorgen. Das ist unsere ganze Intension und ich werde euch auch sehr gerne die Bilder unseres letzten „Ausfluges“ zusenden, auch wenn ich betonen möchte, dass ich von keinem Skm-Mitglied spenden fordere und dies auch eine autonome Aktion von zwei Volontären ist.

„Wer hat das initiiert?“

Christina und ich, weil wir, trotz keiner wirklichen Verbundenheit zum Christentum, aus Nächstenliebe handelten. Wir haben dies eingeleitet, da dieser Poverty Index von 99% kein Spaß ist und wir Bilder sahen, die sich wohl nie wieder aus unseren Köpfen verbannen lassen.

„Wem gilt die Hilfe?“

145 Personen, die in den ärmlichsten Verhältnissen überhaupt leben. Menschen, die sich nicht einmal Nahrung leisten können und kurz vor dem Hungertod stehen. Frauen, die selbstständig ihre 5 bis 6 Kinder ernähren und versorgen müssen und aus Nichts, Alles machen. Diese Menschen haben teilweise keine Kleidung und das ist kein Resultat aus ihren Traditionen heraus, sondern schlicht und einfach, weil sich ein Shirt eben nach einigen Jahren abträgt und zerfällt.

 

Bamba, der 03.06.2010

In den letzten Wochen haben wir durch eure Hilfe einiges bewegt und erreicht, worauf wir wirklich stolz sein können! Euch fleißigen Spendern gilt unser größter Dank! Wir haben es geschafft genug Geld zu sammeln, um unser Vorhaben, den Menschen aus dem Bezirk Bamba zu helfen, in die Tat umsetzen zu können. Hier also ein Rückblick auf das, was nach unserem letzten Spendenaufruf alles geschah:

Nachdem wir wussten, auf welchen Betrag sich unsere Spenden endgültig belaufen würden, hatten wir am Montag, den 31.Mai unser letztes Treffen mit Herrn Kashero vom Social Service. Mit ihm klärten wir nun also, wann wir wie nach Bamba fahren würden und was wir alles benötigten. Das Gespräch verlief ganz gut. Wir einigten uns auf den kommenden Donnerstag, also auf den 03. Juni 2010. Herr Kashero war sichtlich froh und erleichtert, dass es nun endlich losgehen konnte. Auch uns fiel der erste Stein vom Herzen, schließlich wollte ich am Samstagmorgen wieder nach Deutschland fliegen und was hätte passieren sollen, wenn etwas nicht geklappt und wir somit noch einmal hätten fahren müssen!? Aber so konnten wir endlich mit den allerletzten Vorbereitungen beginnen.
Am Dienstag konnten wir leider nichts machen. Auf der einen Seite hatten wir ganz vergessen, dass alle Geschäfte wegen eines Feiertages – es war Unabhängigkeitstag Kenias – geschlossen hatten und auf der anderen Seite fiel Christina durch Malaria aus.
Also ging es erst am Mittwoch richtig weiter. Ich hatte erst einmal eine Audienz mit unserem Sima-Zulieferer und übergab ihm umgerechnet 410€ für 50 Bündel á 24Kg Maismehl. Wir haben dem guten Mann also ordentlich Umsatz beschert. =) Zum Glück mussten wir uns um diese Lebensmittellieferung nicht weiter kümmern, denn der Social-Service wollte sie selbstständig abholen und schon am nächsten Tag nach Bamba bringen. Am Nachmittag desselben Tages warteten allerdings noch die Lebensmittelsäcke auf uns, die abgeholt werden wollten – Reis, Bohnen und Zucker. Wie man auf den Bildern (meistens^^) sieht, war es kein Leichtes diese zu tragen und so erhielten wir noch ein wenig Man-Power von den Angestellten vor Ort! Ein Sack Bohnen war mit seinen 90kg doch zu schwer für eine Person und auch generell kamen so einige Säcke zusammen. Leider mussten diese dann auch noch im Waisenhaus zwischengelagert werden, weshalb wieder alle mit anpacken mussten und ordentlich ins Schwitzen kamen. Als wir nun total fertig (Christina vom Fotografieren – die Malaria war ja noch nicht vorüber - und ich vom Telefonieren, sowie Schleppen) diesen Haufen betrachteten, wurde uns erst wirklich bewusst, was wir für eine Menge an Lebensmitteln spenden würden. Um euch dies zu verdeutlichen, möchte ich an dieser Stelle noch einmal alles aufschlüsseln. Es handelte sich um:

1200kg Maismehl
630kg Bohnen
500kg Reis
150kg Zucker

Wie ihr seht, haben wir die eingenommenen Spendengelder gut um- und einsetzen können.
„Voll bepackt mit tollen Sachen“ machten wir uns nun also am Donnerstagmorgen kurz nach 9Uhr auf den Weg nach Bamba. Christina und ich waren wahrlich sehr nervös und angespannt. Wir wussten nicht, was uns erwarten würde, waren aber darauf vorbereitet worden, dass so eine Situation auch schnell einmal eskalieren kann und dass wir wirklich auf uns aufpassen müssten. Wenn Menschen Hunger haben, dann ist sich eben jeder selbst am Nächsten und wenn dann ein großes Gerangel ausbricht, dann spielt es leider auch keine Rolle, ob sich vor oder unter einem eine alte, schwache Frau oder ein Kind befindet oder eben auch ob wir im Weg stehen würden. Wir wussten also, dass unsere Hilfe in so einem Fall nicht bei jedem Bedürftigen ankommen würde und wir so auch nicht gefahrlos eingreifen könnten. Mit diesem Wissen und der Befürchtung, dass uns eventuell vor Ort bewaffnete Sicherheitskräfte erwarten würden (denn das ist dadurch leider oft üblich und auch nötig), fuhren wir verteilt auf zwei Autos über die schlechten Sandpisten Kenias. Die Fahrt gestaltete sich zunächst auch etwas kompliziert, denn diesmal nutzten wir einen komplett anderen als den uns bisher bekannten Weg. Alle im Auto waren äußerst angespannt und ich war erst dann wieder beruhigt und still, als uns Herr Kashero vom Sozialamt, der im ersten für uns nicht mehr sichtbaren Auto mitfuhr, über Telefon bestätigte, dass es der richtige Weg sei.
Kurz vor Zwölf war es dann soweit, wir erreichten endlich unseren Zielort – das Office des Social-Service im Distrikt Bamba. Eine große Menschenmenge erwartete uns bereits. Sie saßen überall verteilt: sehr alte und gebrechliche Frauen, dünne alte Männer, Mütter mit ihren Babys auf dem Rücken, dazwischen ab und an Männer und Frauen, denen es scheinbar noch etwas besser ging. Es waren so viele Menschen, dass wir überall neue Gesichter entdeckten, die uns schweigend und erwartungsvoll anstarrten. Einige Männer halfen uns die Bündel Maismehl auf den Vorplatz des Gebäudes zu tragen. Wir waren froh zu sehen, dass auch diese vollzählig ohne uns angekommen waren. Als dies geschafft war, griffen uns die Männer noch einmal tatkräftig unter die Arme, denn auch die Jeeps mussten entladen werden. Nun befanden sich zwei große Haufen auf dem Platz – leider mitten in der Sonne, denn Bäume gab es an dieser Stelle nicht.
In einer kurzen Ansprache richtete schließlich zunächst Herr Kashero ein paar Worte an die wartenden Menschen. Er stellte uns vor, erklärte noch ein paar Dinge und gab dann auch mir die Möglichkeit zu ihnen zu sprechen. Leider sind meine Gyriama-Kenntnisse zu gering, um mich gut mit den Menschen zu verständigen, doch für eine kurze Begrüßung hat es gereicht. Den Rest erzählte ich einfach auf Englisch und ließ alles Wort für Wort übersetzen. Dem Anschein nach hat Her Kashero ihnen auch nicht sonst was erzählt, denn als alles gesagt war, klatschten die Leute. Man sah ihnen wirklich an, dass sie schon eine ganze Weile sehnsüchtig warteten und so wollten wir auch keine Zeit verschwenden und so schnell wie möglich anfangen.
Da wir nicht wussten, wie sich die Situation gleich darstellen würde und ob die Menschen nun vielleicht doch ohne Rücksicht auf Verluste über die Lebensmittel herfallen würden, rutschte uns das Herz noch einmal ganz schön in die Hose. Als erstes kümmerten wir uns um das Maismehl. Für jede Person waren 4 Packungen á 2 Kilo vorgesehen. Insgesamt haben wir 33 Packungen für diese Menschenmasse benötigt, aus der alle einzeln mit Namen aufgerufen wurden und vortraten. Wir waren mehr als positiv überrascht und dermaßen beruhigt, dass es jetzt richtig losgehen konnte. Auch wenn wir mitunter kaum hinterher kamen, lief alles wie am Schnürchen. Als wir mit dem Maismehl durch waren, ging es nahtlos mit dem Reis weiter. Nun gab es ein neues System. Es wurden zwei Reihen gebildet. Jeder stellte sich geduldig an. Es spielte keine Rolle, ob Jung oder Alt, ob jemand an erster oder letzter Stelle stand, es blieben alle ruhig und diszipliniert. Wir konnten also wirklich effizient und ohne Zwischenfälle arbeiten. Wir schippten einen 1-Kilo-Eimer nach dem anderen in die vielen Plastiktüten oder bereits mitgebrachten Körbe und Säcke. Für jede Person waren 3,25Kg Reis berechnet, also etwas mehr als drei Becher. Keiner stellte sich doppelt an oder versuchte sich auf andere Weise mehr zu erschleichen. Es lief einfach super - und das ohne Sicherheitspersonal! Immer wieder sahen wir ein Lächeln und vernahmen die Worte „Nashkurru“ bzw. „Namwerza“, was auf Gyriama „Danke“ bedeutet.
Beflügelt von der uns entgegenbrachten Freude ging es also ohne Atempause zum Zucker über! Das war eine recht simple Aufgabe, denn auf jede Person kam 1Kg Zucker, sprich ein voller Becher. Mittlerweile wechselten wir uns etwas mehr ab, denn zwei Schlangen mit insgesamt 145 Menschen wollten scheinbar gar kein Ende nehmen. Die Erschöpfung nahte, doch unsere Verschnaufpausen waren nur von kurzer Dauer. Als Letztes sollten die Bohnensäcke geöffnet und anschließend aufgeteilt werden. 4 kg waren pro Person vorgesehen, doch auch die waren Gott sei Dank irgendwann unters Volk gebracht. Insgesamt waren wir wirklich einige Stunden beschäftigt. Wir waren vollkommen geschafft, der Rücken schmerzte und unsere Hände waren kurz vorm Abfallen, aber das störte uns nicht. Wir sahen in die dankbaren Gesichter der armen Menschen und waren einfach nur froh, dass wir ihnen dank euch helfen konnten. Sie mussten nicht einmal etwas sagen und trotzdem sahen wir die Dankbarkeit, die sich durch das Strahlen in ihren Augen zeigte.

In diesem Sinne möchte ich mich noch einmal für all Euren Beistand bedanken und ganz besonders an unsere vielen einzelnen Spender, sowie den Fachschaftsrat der FH Erfurt.

„At the end of the time all the people overstand, that together we can rise and can be strong!“

David Reum, Christina Besen

 

 

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